Irle Edel-Pils

Das Brauhaus Johann Friedrich Irle ist ein Siegener Traditionsunternehmen. Angefangen mit einer kleinen Brauerei und Brennerei, die vornehmlich die eigene Gastronomie bediente, wuchs das Unternehmen seit seiner Gründung 1693 über viele Generationen im Familienbesitz bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. In seinen Hochzeiten betrug der Ausstoß 120.000 Hektoliter pro Jahr. Bedingt durch die schwache wirtschaftliche Entwicklung sowie den immer stärkeren Marktdruck der hiesigen Brauereien, vor allem der Krombacher Brauerei, wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Entscheidung gefällt, sich auf eine kleine Nische zu reduzieren. So wird heute auf einer kleinen Brauanlage zwar noch immer das Irle Edel-Pils produziert, allerdings nur noch in geringem Umfang. Dazu wurde mit dem Sudwerk wieder ein gastronomischer Betrieb gestartet. Die Brauerei hat sich quasi back to the roots entwickelt. Neben dem Pils werden noch saisonale Spezialitäten wie helles und dunkles Zwickel oder auch ein Maibock eingebraut.

Irle Edel-PilsDas Irle Edel-Pils, welches ich mir heute gegriffen habe, kommt in der 0,5l NRW-Flasche. Verziert ist diese mit dem gefühlt seit Jahrhunderten unveränderten Etikett, welches neben der Marke und dem Namen lediglich ein Wappen mit Bergmann und Hüttenmann darstellt. Diese Symbolfiguren standen jahrzehntelang für die Montanindustrie im Siegerland, die erst mit dem Ende des Bergbaus 1965 einen Wandel hin zur stahlverarbeitenden Industrie sowie dem Maschinenbau vollzog. Vor diesem Hintergrund hat sich das Irle Edel-Pils also noch ein gewisses Maß an Tradition bewahrt.

Das Irle Edel-Pils ist klar und hellgelb, fast schon etwas bleich. Es bildet einen feinen, weißen Schaum aus, der allerdings schnell wieder vergeht. Im Geruch ist der Hopfen klar erkennbar. Man kann Zitrusaromen klar erkennen, aber auch andere fruchtige und auch leicht blumige Noten. Malz kann ich nicht ausmachen.

Und so ist auch der Geschmack wenig überraschend. Der Antrunk ist durch die wenige Säure und den mittelmäßigen Einsatz von Kohlensäure nur leicht rezent. Der Körper ist mittelmäßig, hat eine gewisse Würze und zeigt schon die Bittere, die im Nachgang dann sehr deutlich zu Tage tritt. Ich habe keine Angaben zu Bittereinheiten gefunden, aber sie dürften doch merklich über den niedrigen 30er-Werten der normalen Industriebiere liegen. Im Nachgang bildet sich ein trockenes Mundgefühl aus.

Das Irle Edel-Pils ist ein leckeres, kräftig gehopftes Pils mit überdurchschnittlicher Bittere. Es ist recht süffig, allerdings habe ich gelegentlich den Eindruck, dass es schnell zu Kopf steigt. Aber das kann auch an meiner Tagesform hängen. Nichtsdestotrotz eines der letzten lokalen Biere, die nicht zu einem global player gehören und allein deshalb schon unterstützenswert.

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