Riedenburger Dolden Sud

Der Riedenburger Dolden Sud war mein erster Kontakt mit Craft Beer, auch wenn ich es damals noch nicht wusste. Ich stand im Biomarkt meines Vertrauens, hatte mich kurz zuvor mit dem Emmer Bier vergnügt und wollte nun schauen, was sich da sonst noch an interessanten Getränken im Regal befanden. Und da stand die Flasche mit dem Elefanten und der Aufschrift IPA. Ich hatte keine Ahnung, was ein Bavarian India Pale Ale sein sollte, auch mit 55 International Bitter Units konnte ich nichts anfangen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Also habe ich die Flasche (neben anderen) mitgenommen.
Ein paar Tage später nahm ich dann den Dolden Sud aus dem Kühlschrank und probierte (damals noch aus der Flasche). Ohne übertreiben zu wollen, aber dieser erste Schluck hat mich aus den Socken gehauen. Bitter, fruchtig, würzig, so ganz anders als alles, was ich vorher unter dem Begriff Bier getrunken habe. Ich war total begeistert. Und urplötzlich war auch mein Interesse daran geweckt, was da sonst noch lauert. Das Regal im Biomarkt hatte zwar noch mehr zu bieten, aber irgendwie hatte ich damals schon das Gefühl, dass es da eine ganze Welt zu entdecken gab. Denn wenn man solche für mich gänzlich neuen Aromen mit den “üblichen” Zutaten in ein Bier bekommt, dann musste es auch Vorstufen, nachgemachte, mitentwickelte oder auch konkurrierende Biere geben. Und so habe ich begonnen, mich immer tiefer in das Thema Bier einzulesen und einzuhören.

Vielleicht sollte man diesen Test daher immer vor dem “historischen” Hintergrund lesen. Auch wenn mir das Bier heute wieder super geschmeckt hat, bin ich wahrscheinlich in diesem Fall noch subjektiver, als ich es als ungeschulter Laie eh schon bin. Man sehe es mir nach.

Riedenburger Dolden SudAber nun zu Sache: Der Dolden Sud aus dem Sud 47 rinnt mit seinen 6,5% in einem dunklen Gelb ins Glas. Die Farbe erinnert mich an Aprikosen, fast schon mit einem Stich ins Ockerbraune. Da das Bier nicht gefiltert ist, sind viele Schwebteilchen erkennbar. Der Schaum ist sehr weiß und eher mittelgrob und bleibt wenige Minuten stehen.

Wenn dann der Weg frei ist, riecht es intensiv nach Maracuja, Mango, Citrus, also sehr fruchtig, und trotzdem noch mit einer würzigen Unternote. Das verwendete Malz ist also erkennbar, wenn auch nicht sehr prominent.

Im Antrunk ist das IPA etwas rezent, aber durch den nicht sehr starken Einsatz von Kohlensäure und auch die fehlende Säure hat man bereits hier die Gelegenheit, die kommenden Aromen zu schmecken. Der Dolden Sud hat einen recht vollen Körper, in dem das Malzaroma sehr gut mit den fruchtigen Noten des Hopfens harmoniert. Nach wenigen Sekunden, wenn der Hopfen richtig knallt, stellt sich dann ein trockeneres Mundgefühl ein, und die Bittere legt sich auf die Zunge, wo sie auch einige Zeit schmeckbar bleibt. Dabei kommt der Hopfen aber nicht zu bitter rüber, sondern regt eher zum unterschwelligen Nachschmecken an.

Ich bin noch immer restlos begeistert von diesem IPA. Und allen, die es mal in die Hände bekommen, möchte ich den Text auf dem Rückenetikett empfehlen (den man zwar auch auf der Homepage lesen kann, aber dort kann man das Bier so schlecht schmecken).

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