Adventskalender 17 – Brasserie de la Senne Brusseleir

Neue Flasche, neues Glück. Nach dem enttäuschenden Bier aus dem vorhergehenden Päckchen hoffe ich heute auf eine bessere Erfahrung. Schon die Flasche weckt Vorfreude. Eine 0,33l NRW-Flasche mit spacig gestaltetem Etikett. Dort fliegt ein Mensch im Raumanzug und umgeschnallten Jetpack, ausgestreckter Superman-Faust neben einigen Raketen Richtung Weltall. Lustiges Detail: Aus seiner Rakete kommt ein Zapfhahn, den er in der Hand hält. Das Brusseleir Zwët IPA von der Brasserie de la Senne ist wohl Raketentreibstoff. Die 8% Alkohol sind allerdings noch etwas entfernt von brennbaren Flüssigkeiten. Noch ein interessanter Fakt über die Brauerei: Sie ist im Brüsseler Stadtteil Molenbeek gelegen, der in den Tagen nach den Anschlägen von Paris zu zweifelhafter Berühmtheit gelangt ist.

Brasserie De La Senne - BrusseleirDas Zwët IPA lässt sich nach meiner Recherche mit Schwarzem IPA übersetzen. Und so passt auch das Bild, dass sich im Glas bietet. Tiefes Schwarz, obenauf gekrönt von einer immensen, getönten Schaumkrone aus feinem Schaum. Das erinnert schon stark an Guinness mit Stickstoff. Aber hier und da haben sich auch ein paar mittelgrobe Blasen in den Schaum geschummelt. Das stört aber den Anblick nicht.

Der Geruch ist wenig überraschend. Ich erkenne Röstaroma mit brotigen Noten sowie einer starken Alkoholnote, die schon fast aufdringlich ist, denn sie erinnert mich eher an Grappa als an Bier. Geschmacklich ist das Bier glücklicherweise nicht so alkoholdominiert. Der Antrunk ist dank angenehm üppiger Säure und leichter Verperlung erfrischend. Auch der schmale Körper mit der öligen Textur passt eher zu einem IPA als zu einem Stout und hat erstaunlich wenige Aromen. Das Röstaroma und die getreidige Süße muss man hier fast schon suchen, denn sie entwickeln sich erst im Abgang, dann aber in Kombination mit einer angenehmen, trockenen Bittere, die dem Bier dann die Berechtigung gibt, ein IPA zu sein. Zwar kommen hier nicht die üblichen Verdächtigen wie Cascade oder Citra zu Einsatz, aber das würde auch nicht zum Gesamtbild passen. Stattdessen schmeckt man eine leichte Kräuternote, gepaart mit Toffee und ganz dezentem Nussaroma.

Dafür, dass ich eigentlich nur ab und an mal ein Stout trinken kann, bin ich von diesem Black IPA restlos begeistert. Und um noch einmal auf die Herkunft des Bieres zurückzukommen: ein Stadtteil, in dem solch gutes Bier gebraut wird, kann nicht so schlecht sein, wie er in manchen Medien dargestellt wurde. Das ist natürlich nur eine fast vollkommen unbelegbare Meinung von jemandem, der selbst auch kein Experte in belgischer Soziologie ist, aber gerade in der Vorweihnachtszeit sollte man doch den ein oder anderen versöhnlichen Ton anschlagen. Daher: Molenbeek, keep on rocking!

Was schreiben die Anderen: Nix!

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