Heimbrauen, die Zweite

Meine ersten Gehversuche habe ich ja mit der aus meiner Sicht sehr brauchbaren Braubox gemacht. Da mir das Brauen echt Spaß gemacht hat und nachher auch noch was Leckeres dabei rausgekommen ist, habe ich mich in den letzten Wochen ein bisschen auf die Suche nach neuem Equipment begeben, um ein zweites Mal eigenes Bier zu brauen. Aber etwas mehr als nur 4 Liter sollte es dann schon sein.

Erste Anschaffung war ein Gär- und Läuterbottich in der 30 Liter Version mit einem Mattmill Läuterboden. Dann habe ich über Kleinanzeigen einen 40 Liter fassenden Topf mit Deckel für 50 Euro beschafft, sowie einen kleineren Topf der Größe 30 Liter für nicht viel weniger Geld. Ziel war es, dass die Töpfe noch auf den Herd passen, wobei der kleinere beim anstehenden Wechsel auf Induktion wahrscheinlich nicht mehr zu gebrauchen ist. Vielleicht habe ich mich bis dahin ja auch schon mit dem Thema Gas auseinandergesetzt. Neben den Töpfen habe ich aber auch noch etwas Kleinzeug beschafft. Brauerjod, Bierspindel, Spindelzylinder, Abfüllröhrchen… Und natürlich Malz, Hopfen und Hefe.

Die SchüttungErstes Ziel war es, für Weihnachten ein Ginger Ale mit leckeren Gewürzen zu brauen. Aus mir nicht mehr bekannten Gründen habe ich dann mehr Malzsorten und auch mehr Malz als benötigt bestellt, sodass ich noch einiges übrig hatte. Unerfahren wie ich bin, habe ich das übrige Malz daher einfach mal in einen Topf geschüttet. Wenn ich die Mischung aus 2 kg Pilsener, 2 kg Münchner und 0,5 kg CaraMünch richtig deute, sollte da ein leckeres Spezial rauskommen. Vielleicht etwas zu viel CaraMünch, aber probieren geht ja bekanntlich über studieren. Als Hopfen habe ich Hallertauer Tradition gewählt, da er einen kräuterig-würzigen Geschmack mitbringen soll. Ich hoffe, dass das gut zum (vermutlich) eher malzlastigen Bier passt.

Erste RastMit 15 l Hauptguss habe ich eingemaischt, dann eine Eiweißrast bei 55° für 15 Minuten (die ich mir wahrscheinlich hätte sparen können), Maltoserast bei 64° für 35 Minuten, Verzuckerung bei 72° und 78° für jeweils 20 Minuten. Mit einem Nachguss von 15 l bin ich nach dem Hopfenkochen mit 40 g Hopfen zu Beginn und 10 g Hopfen nach 80 Minuten nach eineinhalb Stunden auf ca. 17 l Würze gekommen. Das ganze habe ich dann über Nacht abkühlen lassen.

Messung der AnstellwürzeAm nächsten Tag dann kamen zum ersten Mal die Spindeln zum Einsatz. Diese behaupteten, dass ich 15,3 % mas/mas erreicht hätte. Da hat die Hefe ja einiges zu knabbern. Über Sudhausausbeute etc. will ich hier nicht weiter sprechen, denn für mich geht es noch darum, erste Schritte auf dem Gebiet zu machen.

Als Hefe habe ich German Ale 1007 von Wyeast verwendet. Und hier hatte ich einige Probleme. Die Hefe kommt mit einem Starter, also einem kleinen Päckchen Nährflüssigkeit. Dieses Päckchen muss man in der Tüte zum Platzen bringen, damit die Hefe schon mal in die Gänge kommt. Das habe ich gemacht, allerdings hatte ich nach mehreren Stunden noch immer keine aufgeblähte Tüte. Als ich ins Bett wollte, habe ich die Hefe dann in die Würze gegeben, weil ich mir nicht sicher war, ob die Tüte wohl die Nacht übersteht, sollte sie sich doch noch aufblähen.

Läutern mit SchlauchEinen Abend später tat sich im Gärbottich gar nichts. Aber Bierbrauen ist ja nun mal nichts für Hektiker, also hab ich einfach mal noch einen Tag gewartet. Leider mit dem gleichen Ergebnis. Dann habe ich die Würze noch mal kräftig belüftet, in der Hoffnung, dass sich daraufhin etwas tut. Und tatsächlich hatte ich am nächsten Tag eine langsam einsetzende Gärung. Ob das nun durch das erneute Belüften kam oder ich mit dem Starter was falsch gemacht hab und die Hefe einfach etwas mehr Zeit brauchte, weiß ich nicht.

Leider ging es so weiter, wie es mit der Hefe angefangen hat. Nach fünf Tagen blubberte es noch munter aus dem Gärspund, auch nach zehn Tagen war noch kein Ende absehbar. Geduld ist ja das eine, aber nach zehn Tagen wurde ich doch langsam nervös. Von einem erfahreneren Brauer bekam ich den Rat, das Bier mal zu spindeln, um den Restextraktgehalt zu bestimmen. Dieser lag noch über 6 % mas/mas, daher habe ich den Deckel wieder zu gemacht. Mit täglichem Spindeln habe ich dann nach 17 Tagen das Bier mit 5 % mas/mas mit Speise versetzt und in Flaschen gefüllt.

Selbstgebraut IINach etwas über zwei Wochen habe ich nun heute die erste Flasche geöffnet. Mit einem lauten Plopp sprang der Verschluss von der Flasche. Der Druck scheint also schon mal ganz gut gelungen. Im Glas bildet sich auf dem trüben bernsteinfarbenen Bier mit Stich ins Rote eine immense, getönte, feine Schaumkrone, die sich gar nicht mehr auflösen will. Verperlung ist auch eher im oberen Bereich anzusiedeln. Vielleicht also etwas weniger Speise geben. Das Bier riecht malzig, würzig, mit leichten Kräuternoten. Da scheint der Hopfen gut zum avisierten Aromaprofil zu passen. Im Antrunk ist das Selbstgebraute recht rezent, gefolgt von einem schmalen Körper, der leicht nach Eisen schmeckt (ähnlich dem Irle Edel Pils). Im Nachgang dann eine trockene Bittere, die sich ölig auf die Zunge legt. Leider schwingt der Eisengeschmack auch noch lange nach. Auch finde ich die Bittere etwas zu krass. Erinnert mich von der Bitterkeit an das Amarsi.

Dafür, dass ich ohne Rezept losgebraut habe und mir die Hopfensorte und -menge, Schüttung etc. nach meinem theoretischen Wissen aus drei, vier Büchern zusammengestellt habe, bin ich allerdings sehr zufrieden. Wer erwartet schon beim ersten eigenen Brauversuch ein perfektes Bier? Lecker ist es jedenfalls. Und vor allem selbst gemacht!

Die Braubox – Pale Ale

Bei der Suche nach einem Geschenk für einen Kollegen sind wir über die Braubox von den Besserbrauern gestolpert. Nette Aufmachung, moderater Preis von 75€ und alles dabei, was man benötigt. Im Gegensatz zu vielen anderen Starterkits ist bei der Braubox aber nicht Malzextrakt in Dosen enthalten, welches man dann nur noch mit Wasser anrühren muss, sondern es liegt fertig geschrotetes Malz in der Packung. Man kann (oder muss) also den kompletten Brauprozess durchlaufen. Da ich ja lieber verstehe, was die Dinge im innersten zusammen hält, statt sie als Black Box zu verwenden, habe ich nicht lange gefackelt und mir eine Braubox bestellt. Und wie man aus meinen bisherigen Rezensionen zu verschiedenen Bierstilen erraten kann, habe ich mich für die Braubox Pale Ale entschieden (die Braubox IPA gab es damals noch nicht).

Inhalt der BrauboxEinige Tage später erreichte mich dann das heiß ersehnte Paket und ich begann direkt meinen Terminkalender zu checken, wann an welchem Wochenende ich die erforderlichen 5-6 Stunden Zeit aufbringen könnte. Außerdem musste vorher noch ein ausreichend großer Topf besorgt werden. Da ich lediglich über einen Top mit einem Fassungsvermögen von ca. 6 Litern verfüge, habe ich mir bei einer Bekannten einen 10l Suppentopf geliehen. So gerüstet konnte dann mein erster Brautag kommen.

MaischenAm Sonntag dann habe ich um 11:30 Uhr begonnen. Zuerst ging es ans Einmaischen. Also Wasser auf 69°C erwärmen und das Malz hinzugeben. Klingt nicht sonderlich schwierig, aber bereits hier habe ich die Trägheit des Systems Herdplatte/Topf etwas unterschätzt, sodass ich nach dem Einmaischen eine Temperatur von 74°C im Topf hatte. Ob sich das negativ auf das Endprodukt auswirken sollte? Falls es schiefgehen sollte, wusste ich wenigstens schon mal einen Fehler, an dem es gelegen haben kann.

Dieser hoffentlich kleine Fehler sollte mich aber erst mal nicht davon abhalten, weiterzumachen. Also einen Stuhl vor den Herd stellen, Thermometer, Rührlöffel und Buch bereitlegen und abwechselnd lesen, Temperatur messen und immer mal wieder umrühren. Sehr entspannt, muss ich sagen. Als Lektüre hatte ich das Buch Heimbrauen – Schritt für Schritt zum eigenen Bier von Hagen Rudolph gewählt. Ein super Buch für Einsteiger. Allerdings steht dort auf Seite 39 geschrieben, dass bei einer Temperatur von 72°C das Enzym Beta-Amylase zerstört wird. Dieses Enzym ist dafür verantwortlich, aus der Stärke des Malzes die Maltose zu extrahieren, also den Zucker, den die Hefe während der Gärung in Alkohol umwandelt. Über 72°C kommt dann die Alpha-Amylase ins Spiel, die übriggebliebene Stärke in Dextrin umwandelt. Dextrin ist allerdings nicht vergärbar. Sollte mein Fehler zu Beginn des Einmaischens dem Bier bereits den Todesstoß versetzt haben? Aufgeben wollte ich aber auch nicht. Habe ich doch mal irgendwo gelesen, dass es schwierig ist, kein Bier hinzubekommen. Also weitermachen!

Nach dem sehr entspannten und in meinem Fall auch sehr informativen Maischen folgte dann das Läutern. Dazu habe ich die Maische mit einer Suppenkelle in ein Haushaltssieb gegeben und langsam durchlaufen lassen. Dann mit dem Nachguss nochmals den Treber spülen, um möglichst viel Zucker zu lösen. Das Ergebnis ist dann die Würze. Und damit ja kein Zucker verloren geht, habe ich (laut Anleitung) den Treber noch einmal mit der Würze gespült, dieses mal zurück in den (mittlerweile gereinigten) Maischetopf. Zusammen mit dem Nachguss war der Topf dann auch ziemlich voll.

Würze KochenAls nächstes kam dann das Hopfenkochen, also Feuer frei. Die Würze musste zum Kochen gebracht werden und dann nach ein paar Minuten die erste Hopfengabe erfolgen. Cascade riecht schon echt intensiv, wenn man in als Pellets in der Hand hat. Aber da soll er ja nicht bleiben, also rein in den Topf. Und nun heißt es wieder entspannt bis zur zweiten Hopfengabe warten. Man hat also wieder eine Stunde Freizeit, um es sich mit dem Buch bequem zu machen. Ab und an kontrollieren, ob die Würze noch, wie in der Anleitung gefordert, wallend kocht, aber das war es dann auch schon wieder.

HopfenNach der zweiten Hopfengabe und weiteren 10 Minuten Kochzeit habe ich dann die Würze vom Herd genommen und in de Spüle mit kalten Wasser und einigen Kühlakkus auf 20°C gekühlt. Während des Abkühlens wurde der Rest des Hopfens zugegeben.

Die kalte Würze kam dann durch ein Sieb, welches den Hopfen größtenteils wieder ausgefiltert hat, mit der Hefe in die Gärflasche. Gärspund drauf und fertig ist der Brautag. Nun noch etwas aufräumen und um 17 Uhr war der entspannte, aber trotzdem informative und produktive erste Brautag beendet. Wenn das mit dem Gären und Reifen doch nur nicht so lange dauern würde…

JungbierAls dann einige Stunden später im Gärspund erkennbar war, dass sich in der Flasche Gas bildet, welches über den Gärspund entweicht, war mir auch klar, dass mein Fehler zu Beginn des Maischens nicht so schwerwiegend war. Denn offensichtlich hatte die Hefe etwas leckeres gefunden, dass sie sich nun einverleiben konnte.

Eine Woche später

Die Hefe hat ca. 4 Tage lang ihre Arbeit verrichtet, im Anschluss konnte ich auch bei längerer Beobachtung des Gärspunds keine entweichenden Gasblasen mehr erkennen. Sollte also alles fertig sein. Daher habe ich mich am Sonntag nach dem Brautag daran gemacht, das Bier aus der Gärflasche in einen Topf abzuziehen. Hier war darauf zu achten, dass möglichst wenig Hefe, die sich in der Zwischenzeit am Boden der Flasche gesammelt hat, mit in den Topf gelangt. Mit der in der Braubox enthaltenen Pumpe war das relativ einfach möglich. In den Topf mit dem Jungbier wurde dann etwas in Wasser gelöster Zucker gegeben. Dies ist wichtig, damit die Resthefe, die mit in den Topf gelangt ist, in den Flaschen das Kohlendioxid erzeugen kann. Flaschengärung halt. Ohne diese wäre das fertige Bier schal. Nun also das Jungbier mit der Zuckerlösung wieder mit der Schlauchpumpe aus der Braubox in die Flaschen abfüllen. Dann wieder etwas sauber machen und schon ist der zweite Teil des Bierbrauens erledigt. Mit Flaschen reinigen und anschließendem Spülen der Gärflasche, Pumpe etc. keine zwei Stunden Arbeit.

Und nun heißt es weiter warten…

Eine weitere Woche später

Die erste Woche standen die Flaschen weiterhin in der Küche. Die Hefe braucht ja eine genügend hohe Temperatur, um den Zucker zu Kohlendioxid zu vergären. Da hierbei Druck in der Flasche entsteht, und ich gelesen habe, dass die Flaschen durchaus schon mal explodieren, habe ich sie in eine Schüssel gestellt und mit einem Tuch abgedeckt. Wenn tatsächlich eine Flasche platzen sollte, dann soll sie möglichst wenig Schmutz verursachen. Nach einer Woche Flaschengärung, die auch den neu zugegebenen Zucker restlos verzehrt haben sollte, habe ich die Flaschen dann zur Endreifung in die dunkle und kühle Kammer gestellt.

Und nochmal warten…

Nochmal zwei Wochen später

SelbstgebrautesHeute ist der große Tag. Ich werde mein erstes selbstgebrautes Bier trinken. Die Flasche habe ich auf dem Balkon geöffnet. Ordentlich Druck ist drauf, aber es geht nichts schief. Und es riecht schon lecker nach Cascade. Also rein uns Glas. Feiner, weißer Schaum, hält sich ein paar Minuten. Geruch bleibt bei Cascade, sonst nichts erkennbar. Perlt ganz gut im Glas.

Im Antrunk ist es allerdings wenig sprudelig, die leichte Säure kann es aber etwas rausholen, wenn auch ein etwas wässriger Eindruck bleibt. Schmaler Körper, wenige Aromen. Stattdessen knallt der Hopfen für meinen Geschmack etwas zu kräftig. Im Abgang gesellt sich dann eine leicht metallische Note zum Hopfen, der ein schön trockenes, bitteres Gefühl zurücklässt. Irgendwie schon ein super Bier, weil es mein erstes Selbstgebrautes ist, aber andererseits muss ich eingestehen, dass es aromatisch nicht so der Knaller ist. Wenig Aroma, dafür der Hopfen zu stark. Aber gibt es wohl das perfekte Bier???

Die Besserbrauer liefern übrigens noch 10 gute Gründe, warum jeder sein eigenes Bier brauen sollte. Ich kann es euch wärmstens empfehlen.