Neulich in Hamburg

Kurzfristig war ich vergangenes Wochenende zu einem Kurztrip in Hamburg. Tagsüber gab es das ein oder andere zu erledigen. Abends konnten wir uns dann den heimischen Brauereien widmen.

Ratsherrn Pils in der Kleinen PauseBereits am ersten Abend lief mir in der kleinen Pause während des Fußballspiels München gegen Hamburg das Ratsherrn Pils über den Weg. Vor kurzem wurde mir deren Lieblingsbox mit Weiß-, Rotbier, Pale Ale und Lager zugetragen. Daher passte das Pils sehr gut. Eigentlich bin ich ja kein wirklicher Pils-Fan, da mir dieser Biertyp doch allzu oft ohne jegliche Aromen daherkommt, aber das Ratsherrn Pils fand ich tatsächlich sehr lecker. Wie es ohne den “Urlaubsbonus” und natürlich noch den “Craftbierbonus” schmeckt, muss ich bei einer späteren Verkostung daheim mal genauer untersuchen.

Brewdog Punk IPA im Alten MädchenAm nächsten Abend haben wir uns dann zum Alten Mädchen begeben, der Kneipe der Ratsherrn Brauerei in den Schanzenhöfen. Da dort ein sehr reichhaltiges Biersortiment angeboten wurde, habe ich ein Brewdog Punk IPA gewählt. Irgendwie wollte ich das schon immer mal trinken.
Der Geruch des Punk IPA ist fantastisch, geschmacklich lässt es dann aber doch etwas Aroma vermissen. Nett waren die kurzen Gespräche mit einer der Bedienungen, die sich scheinbar sehr gut mit den Bieren auskannte (was ich bei der Anzahl der angebotenen Biere schon sehr beachtlich fand). Die anderen Bedienungen haben uns allerdings sehr konsequent ignoriert. Ich weiß nicht, ob es gewollt ist, dass die Mannschaft hinter der Theke nur die Bestellungen der Bedienungen abarbeitet. Als Gast fand ich es jedenfalls etwas seltsam. Und seltsam fand ich auch die Preise. Das Punk IPA hatte einen Anschaffungswiderstand von 6,9 €. Das ist mal eine Ansage.

Braukunstkeller Amarsi IPA im Galopper des JahresNach dem Alten Mädchen ging es dann in’s Galopper des Jahres mitten im Schanzenviertel. Dort gab es leider kein Hops and Needles von Brewcifer mehr, daher habe ich ein Braukunstkeller Amarsi probiert, während nebenan in der roten Flora das Phantom der Oper aufgeführt wurde. Die Oper war umsonst, das Amarsi und schlug mit 5,9€ zu Buche. Beides war nicht ganz nach meinem Geschmack. Aber Geschmack ist ja so eine Sache. Auch ein Prototyp von der Kehrwieder Kreativbrauerei fand seinen Weg auf unseren Tisch. Für absolute Hopheads etwas schwach auf der Brust, aber wenn man es nicht ganz so aufdringlich mag, ein superleckeres Bier mit schönem Fruchtaroma.

Bevor ich jetzt allerdings von irgendjemandem gesteinigt werden, dass ich mich über die Preise beschwert habe, muss ich noch erwähnen, dass ich bisher Craft Bier nur aus dem eigenen Kühlschrank kenne. Hier auf dem platten Land bekommt man in der Kneipe halt nur Pils. Vielleicht ist das einfach der Preis, den man dafür zahlen muss, dass Kneipen Getränke abseits des Mainstreams verkaufen und die Leute einem dazu auch noch was erzählen können. Auf jeden Fall ist Hamburg eine gute Adresse, um lecker Bier zu trinken. Ich hoffe, dass ich demnächst noch mal hinkomme. Vielleicht ja zur Eröffnung von Brewcifers Teufels Küche?

Wikipedia und so

Wikipedia ist ja ein tolles Ding. Ein kostenloses Nachschlagewerk, welches das Wissen der Welt sammeln möchte. Sollte man meinen. Mir passiert es immer wieder, dass ich Menschen begegne, die Wikipedia wie selbstverständlich nutzen. Wenn sie dann aber mal etwas finden, was ihrer Meinung nach nicht richtig ist, führen sie sich auf, als wäre Wikipedia der reinste Humbug.

Vielleicht nicht ganz so extrem, aber zumindest in diese Richtung ging ein spitzer Kommentar in einem Blogpost über die wahre Herkunft des IPA. Dort schreibt Martin Voigt:

Der Begriff IPA ist übrigens ein gutes Beispiel, wie auch Wikipedia noch solchen „Legenden“ aufsitzt.

Ich möchte Martin erwidern, dass nicht die Wikipedia solchen Legenden aufsitzt. Schließlich ist Wikipedia erst mal kein selbstständiges Ding. Wenn überhaupt, dann ist einer der Autoren einer Legende aufgesessen. Und selbst das geht mir schon zu weit. Denn der Autor wird nicht wissentlich Unwahrheiten in der Wikipedia verbreiten.

Im konkreten Fall ist es nun mal so, dass die angeblich falsche Geschichte des IPA nicht nur bei einem ebensolchen von Mund zu Mund weitergetragen wird, sondern auch auf Webseiten von Brauereien und sogar auf Rückenetiketten von IPA-Flaschen erzählt wird. Daher ist es für den unbedarften Bierliebhaber natürlich sehr schwierig zu erkennen, dass diese Geschichte falsch sei.

Wenn nun jemand eine solche Geschichte in Wikipedia beiträgt, so hat er im ersten Moment das Wissen der Welt gemehrt. Wenn nun irgendwann jemand anderes einen Menschen trifft, der behauptet, die Geschichte sei falsch, und sie etwas anders erzählt, sollte man davon ausgehen, dass dieser zweite jemand, der sich ja sogar die Mühe macht, diese Geschichte aus dem fernen England bis nach Österreich zu tragen, sie aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und dann in einem Blogbeitrag niederschreibt, auch die Wikipedia korrigiert. Denn das Wissen der Menschheit mehr man nur, wenn man die angeblich falschen Sachverhalte in der Wikipedia belegt korrigiert.

Leider ist das unterblieben. Stattdessen wird kolportiert, dass die Wikipedia falsch sei. Ja. Ist sie dann wohl. Wenn man es besser weiß und es nicht korrigiert, dann ist es wohl falsch.

Liebe Leute, Wikipedia lebt vom mitmachen. Nicht nur vom Mitmachen von Wikipedia-Admins mit seltsamen Ansichten und manchmal zweifelhafter Sozialkompetenz. Sondern auch von Leuten, die sich mit einem Thema tiefergehend auseinandersetzen, als nur den Wikipedia-Eintrag zu lesen. Wenn ihr also zu der Gruppe gehört, die sich tiefergehend mit etwas beschäftigt hat, macht euch bitte nicht lustig darüber, dass die Wikipedia falsch ist. Sondern korrigiert sie!

Da ich mich mit dem Thema nicht eben nicht tiefergehend auseinandergesetzt habe, aber nun Zweifel an der Geschichte habe, werde ich in der Wikipedia zumindest mal den Hinweis anbringen, dass sie falsch sein könnte und zumindest nicht belegt ist. Denn nur so kann man Menschen davor schützen, Legenden aufzusitzen.

Jahresrückblick?

Ich finde es immer wieder interessant, wie am Ende eines Jahres an jeder Ecke ein Rückblick lauert, welcher die Leser mit der eigenen Sicht der Dinge beglücken möchte, und wie sich diese Jahresrückblicke dann teilweise doch fundamental unterscheiden. Nun handelt dieses Bog allerdings nicht von objektiven Dingen, sondern beschreibt meine subjektiven Erfahrungen rund um das Thema Bier. Und daher ist es quasi per Definition meine Sicht der Dinge. Ich will gar nicht so vermessen sein, meinen Geschmack als objektiv einzustufen. Zum einen, weil Geschmack grundsätzlich subjektiv ist, zum anderen, weil ich keine Sommelier-Ausbildung oder etwas vergleichbares abgeschlossen habe und daher noch nicht einmal in der Lage bin, auf einer halbwegs objektiven Basis über Geschmack zu sprechen. Aber gerade weil die vielen Blogger, die sich mit dem Thema Bier beschäftigen, immer aus einer sehr persönlichen Sicht schreiben, finde ich in diesem Bereich einen Jahresrückblick durchaus angemessen.

Der Rückblick für mich ist dabei schnell geschrieben. Denn dieses Blog existiert erst seit einem Monat, auch wenn ich mich schon länger mit dem Gedanken schwanger trage, mein Interesse an Bier irgendwie auf eine andere Grundlage zu stellen. Nichtsdestotrotz habe ich durch den Bieradventskalender (den ich auch noch immer nicht vollständig probiert habe) bereits einige Biere kennenlernen dürfen, die mir bisher nicht ins Glas gelaufen sind. Allerdings waren es bisher auch erst 19 Biere. Und mangels geübter Geschmacksknospen und auch mangels trainierter Beschreibungen für die erschmeckten Köstlichkeiten fühle ich mich nicht in der Lage, eine Hitliste oder zumindest eine Top 3 für dieses Jahr zu erstellen. Zu den Bieren, die mir sehr gefallen haben, zählen auf jeden Fall die saisonalen Festbiere, da hier die Brauer interessante und teilweise auch für mich absolut neue Geschmackskombinationen erstellt haben. Und ein Bier, welches mir besonders gefallen hat und aus der Menge der probierten heraussticht, ist das Pale Ale von Maisel & Friends.

Für das kommende Jahr hoffe ich auf genug Zeit, mich weiterhin dem Thema Bier widmen zu können. Wenn der Adventskalender dann endlich auch mal durchprobiert ist, werde ich die Schlagzahl für neue Berichte sicherlich etwas reduzieren. Und auch einige andere große Projekte werden ihre Zeit fordern. Ein mittelfristiges Ziel bleibt aber weiterhin, erste eigene Schritte auf dem Gebiet des Brauens zu unternehmen. Aber ob dazu im nächsten Jahr noch Platz sein wird, vermag ich aktuell noch nicht zu sagen.

Nun bleibt mir nur noch, meinen Lesern einen guten Rutsch und einen erfolgreichen Start ins Neue Jahr zu wünschen.

Und hier noch ein Hinweis, welche Gedanken sich die Kollegen zum auslaufenden Jahr gemacht haben: