Bayreuther Hefeweissbier

Der Sommer kommt mit großen Schritten. Jedenfalls, als ich das Bier getrunken habe, über welches ich heute schreiben will. Das ist schon einige Tage her, aber irgendwie hat es der Bericht nicht zeitnah ins Netz geschafft. Das möchte ich daher nun nachholen. Nur das Wetter passt nun nicht mehr ganz zum Thema. Denn heute möchte ich das Bayreuther Hefeweissbier vorstellen.

Bayreuther HefeweissbierDas Weizen kommt in der 0,5l NRW-Flasche mit einem unspektakulären, ansprechendem Etikettendesign. Es ist fahlgelb, trüb und hat wenig weißen Schaum. Die Hefe hat sich in der Flasche klumpig abgesetzt, sodass auch ein beherztes Aufschütteln diese nicht auflösen konnte. Auch im Glas habe ich es erst durch längeres Schwenken geschafft, die Klumpen aufzulösen. Da bleibt dann allerdings etwas die Frische des Bieres auf der Strecke.

Der Geruch nach Banane ist typisch für ein Weizenbier. Im Antrunk ist es frisch und etwas sauer. Der schmale Körper lässt dann aber doch zu Wünschen übrig. Neben einer leichten Alkoholnote kann ich leider nicht viel schmecken. Im Nachgang kann man dann die Hefe sehr stark schmecken, gepaart mit einer leichten Hopfennote. Das Bier ist allerdings nicht bitter. Alles in allem also ein süffiges Weizen, was jedoch leicht wässrig und ohne viel Aroma nicht wirklich überzeugen kann.

Was schreiben die Anderen:

Benediktinerabtei Plankstetten Maibock

Eigentlich wollte ich schon vor einiger Zeit über den Maibock der Benediktinerabtei Plankstetten schreiben. Geplant war das für Mai. Wann sonst sollte man einen Maibock trinken. Aber aus Gründen bin ich im Mai nicht dazu gekommen, die Flasche zu köpfen. Das habe ich dann im Juni getan. Und leider im wahrsten Sinne des Wortes. :(
Benediktinerabtei Plankstetten Maibock

Wikipedia und so

Wikipedia ist ja ein tolles Ding. Ein kostenloses Nachschlagewerk, welches das Wissen der Welt sammeln möchte. Sollte man meinen. Mir passiert es immer wieder, dass ich Menschen begegne, die Wikipedia wie selbstverständlich nutzen. Wenn sie dann aber mal etwas finden, was ihrer Meinung nach nicht richtig ist, führen sie sich auf, als wäre Wikipedia der reinste Humbug.

Vielleicht nicht ganz so extrem, aber zumindest in diese Richtung ging ein spitzer Kommentar in einem Blogpost über die wahre Herkunft des IPA. Dort schreibt Martin Voigt:

Der Begriff IPA ist übrigens ein gutes Beispiel, wie auch Wikipedia noch solchen „Legenden“ aufsitzt.

Ich möchte Martin erwidern, dass nicht die Wikipedia solchen Legenden aufsitzt. Schließlich ist Wikipedia erst mal kein selbstständiges Ding. Wenn überhaupt, dann ist einer der Autoren einer Legende aufgesessen. Und selbst das geht mir schon zu weit. Denn der Autor wird nicht wissentlich Unwahrheiten in der Wikipedia verbreiten.

Im konkreten Fall ist es nun mal so, dass die angeblich falsche Geschichte des IPA nicht nur bei einem ebensolchen von Mund zu Mund weitergetragen wird, sondern auch auf Webseiten von Brauereien und sogar auf Rückenetiketten von IPA-Flaschen erzählt wird. Daher ist es für den unbedarften Bierliebhaber natürlich sehr schwierig zu erkennen, dass diese Geschichte falsch sei.

Wenn nun jemand eine solche Geschichte in Wikipedia beiträgt, so hat er im ersten Moment das Wissen der Welt gemehrt. Wenn nun irgendwann jemand anderes einen Menschen trifft, der behauptet, die Geschichte sei falsch, und sie etwas anders erzählt, sollte man davon ausgehen, dass dieser zweite jemand, der sich ja sogar die Mühe macht, diese Geschichte aus dem fernen England bis nach Österreich zu tragen, sie aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und dann in einem Blogbeitrag niederschreibt, auch die Wikipedia korrigiert. Denn das Wissen der Menschheit mehr man nur, wenn man die angeblich falschen Sachverhalte in der Wikipedia belegt korrigiert.

Leider ist das unterblieben. Stattdessen wird kolportiert, dass die Wikipedia falsch sei. Ja. Ist sie dann wohl. Wenn man es besser weiß und es nicht korrigiert, dann ist es wohl falsch.

Liebe Leute, Wikipedia lebt vom mitmachen. Nicht nur vom Mitmachen von Wikipedia-Admins mit seltsamen Ansichten und manchmal zweifelhafter Sozialkompetenz. Sondern auch von Leuten, die sich mit einem Thema tiefergehend auseinandersetzen, als nur den Wikipedia-Eintrag zu lesen. Wenn ihr also zu der Gruppe gehört, die sich tiefergehend mit etwas beschäftigt hat, macht euch bitte nicht lustig darüber, dass die Wikipedia falsch ist. Sondern korrigiert sie!

Da ich mich mit dem Thema nicht eben nicht tiefergehend auseinandergesetzt habe, aber nun Zweifel an der Geschichte habe, werde ich in der Wikipedia zumindest mal den Hinweis anbringen, dass sie falsch sein könnte und zumindest nicht belegt ist. Denn nur so kann man Menschen davor schützen, Legenden aufzusitzen.

McMüller’s Zwickl

Wer kennt nicht Kofferen? Genauer Linnich-Kofferen? Ich muss zugeben, dass ich bisher zu dieser kleinen Gruppe gehört habe, die dieses Dorf im Zentrum des Dreiecks Köln, Aachen und Mönchengladbach nicht kannten. Das hat sich aber am Wochenende geändert, denn meine liebe Kollegin hatte mir schon vor einigen Wochen eine 1 Literflasche einer mir vollkommen unbekannten Brauerei mitgebracht. Denn in Kofferen gibt es seit 2007 die Privatbrauerei McMüller, die einen Hotelbetrieb und urigen Pub ergänzt, der dort seit Ende der 90er in den Mauern eines 200 Jahre alten Bauernhofs eröffnet wurde. Dies allein ist ja schon ein interessantes Projekt, aber damit nicht genug, wird nun schon im neunten Jahr auch eigenes Bier gebraut. Angefangen hat man mit Blond und Dunkel, um sich dann nach und nach mit Stout und Weizen breiter aufzustellen. In meinem Fläschen schlummert nun ein Zwickel. Ich bin gespannt.

McMüllers ZwicklDa ich wegen eines Unfalls einige Zeit aus dem Verkehr gezogen war, habe ich mir etwas Unterstützung kommen lassen, damit ich nicht in der riesigen Flasche untergehe. Denn für mich als reinen Genusstrinker ist manchmal schon eine Halbliterflasche herausfordernd. Das hängt allerdings auch stark vom Inhalt ab.

Nun gut, nun geht es also ans Eingemachte. Das Zwickel sieht, wenig überraschend, aus wie ein Pils. Goldgelb rinnt es ins Glas, bildet sehr viel Schaum, der sich aber schnell auf ein normales Maß zusammenstaucht, um dann prickelnd und klar im Glas auf den Verzehr zu warten. Die zweite Flaschenhälfte zeigt sich hier etwas anders, denn dort kommen dann auch die Trübstoffe des Bieres mit ins Glas. Denn bei McMüller wird ausschließlich naturtrüb angefüllt.

Das Zwickel riecht leicht hopfig, offenbart sonst aber keine Aromen. Mit 5,4 Volumenprozent Alkohol liegt es im oberen Bereich für Kellerbiere. Im Antrunk rezent, wenn auch nur mittelmäßig sauer, kann man im schmalen Körper eine leicht würzige Note erkennen. Zum Ende hin nimmt die Säure noch einmal zu, um sich dann mit einer leichten Bittere zu verbinden.

Ich bin ja kein Fan von faden Bieren, daher bin ich bei diesem Zwickel sehr erfreut von der leckeren Würze im Körper. Nicht aufdringlich, aber auch nicht langweilig. Ein leckeres und süffiges Kellerbier. Wer zufällig mal durch Kofferen kommt, sollte sich McMüller nicht entgehen lassen.

Wieckse Rosé

Eine Freundin hatte vor einiger Zeit mal ein Bier in Belgien gesehen, dessen Namen sie ausgesprochen lustig fand. Denn das gute Bier heißt Wieckse Rosé. Und der Name passt prima zu ihrem Humor. Als ich dann mit meinem Bieradventskalender begann, erzählte sie mir von diesem lustigen belgischen Bier, und als sie vor einigen Tagen dienstlich in Delft war, brachte sie mir auch gleich eine 0,25l Flasche des netten Getränks mit. Nun muss ich dazu sagen, dass ich bisher noch keinen bewussten Kontakt zu belgischem Bier hatte. Vielmehr beschränkt sich mein Wissen über belgisches Bier darauf, dass dort nahezu alles in die Flasche wandert, was irgendwie in den Braukessel passt. Daher war ich dem (oder sagt man tatsächlich der?) Wieckse gegenüber etwas skeptisch eingestellt.

Wieckse RoséHeute habe ich dann mal die Zeit gefunden, mich dem Inhalt dieser interessanten Flasche zu nähern. Im Glas zeigt sich das fruchtige Witbier mit seinen 4% als dunkelrotes Bier mit wenig feinem rosa Schaum, der schnell vergeht. Direkt wird man von diesem fruchtigen Aroma umströmt, dass ich lange Zeit nicht einordnen konnte. Irgendwann dann fiel mir ein, woran mich der fruchtig-beerige, süße, irgendwie künstliche Geruch erinnerte, nämlich an den Himbeersirup. Natreen Himbeersirup von Großmuttern. Seit gefühlten 50 Jahren nicht mehr getrunken oder gerochen, warum das Bild zum Geruch wohl auch einige Zeit gebraucht hat, um aus den hinterletzten Hirnwindungen ins Bewusstsein vorzudringen.

Geschmacklich ist das Bier aus der niedlichen Flasche allerdings nicht mit Himbeersirup zu vergleichen. Es hat zwar eine fruchtige Note, ist aber stark sauer mit einer leichten Süße, hat eine metallische Note und hinterlässt durch die wenige Kohlensäure einen irgendwie klebrigen Eindruck. Im Nachgang dann kommt eine sehr leichte Bittere zum Vorschein, die allerdings durch Getreidenoten überlagert wird. Instinktiv sucht meine Zunge nach den Weizenkörnern aus kinder Country.

Alles in allem ein interessantes Bier, wenn es auch nicht meinen Geschmack trifft. Ich mag Bier zwar ab und an schon mal gern fruchtig, aber irgendwie werde ich hier den Eindruck von künstlichem Aroma nicht los. Und bisher bin ich bestimmt nicht durch übermäßigen Genuss von Himbeersirup aufgefallen. Genießbar, aber durchaus entbehrlich.

Neumarkter Lammsbräu Urstoff

Vom Neumarkter Lammsbräu hatte ich schon einige Biere hier im Blog. Das liegt vor allem daran, dass es die Bio-Biere aus Neumarkt im hiesigen Bioladen zu kaufen gibt. Und damit hat der Biomarkt eine für meine Begriffe weitaus erlesenere Auswahl als die meisten Getränkemärkte (oder wie man sie auch immer nennen mag).

Neumarkter Lammsbräu UrstoffHeute möchte ich euch das Neumarkter Lammsbräu Urstoff vorstellen. Mir persönlich gefällt der Name sehr gut, da er irgendwie was bodenständiges, althergebrachtes vermittelt. Wahrscheinlich liegt das einfach daran, dass ich dem Bayerischen nicht mächtig bin und daher einfach nicht weiß, was man unter Urstoff zu verstehen hat. Sei’s drum.

Das (oder sagt man der?) Urstoff kommt in der 0,5l Euroflasche. Das Etikett ist Lammsbräu-typisch schlicht gehalten. Leider macht durch diese Schlichtheit das Rückenetikett einen billigen Eindruck. Hier könnte man etwas nachbessern. Aus 11,5% Stammwürze wurden 4,7% vol. Alkohol vergoren. Im Glas zeigt sich das Bier bernsteinfarben und klar. Mir persönlich gefällt die Kombination aus Farbe und gefilterte Bier sehr gut, auch wenn ich normalerweise ungefiltertes Bier vorziehe. Aber dieses Bier macht im Glas echt was her. Leider kann man das von der Krone nicht behaupten. Sie fällt recht klein und flüchtig aus.

Das Urstoff riecht nach würzigen Hopfen, lässt aber auch schon den Einsatz von Bitterhopfen vermuten. Im Antrunk ist es etwas sauer und leicht spritzig, somit eher rezent. Der Körper ist dann leider recht wässrig. Es ist wenig herausragendes Aroma im Bier. Ich schmecke würzige Noten, auch was kräuteriges entdecke ich. Auch im Nachgang bleibt es mit einer leichten, anhaltende Bittere eher unaufdringlich. Für die Hopheads sicher nicht das Bier der Wahl, aber ich mag es ab und an als leckere, würzige Alternative zwischen all den hopfenstrotzenden Craftbieren und dem Industriepils. Fazit: Nichts Herausragendes, dafür aber was bodenständig Gutes.

Was schreiben die Anderen:

Störtebeker Keller-Bier 1402

Der letzte Freibeuter in meinem Hafen ist das Störtebeker Keller-Bier 1402. Wie auch seine Brüder kommt es in der 0,5l-Longneckflasche mit einem nett aufgemachten Etikett, welches das Thema Freibeuter weiterführt. Laut Rückenetikett wurden die vier Hopfensorten Select, Smaragd, Perle und Mandarina Bavaria verwendet. Aus 11,1% Stammwürze wurden 4,8% vol. Alkohol vergoren. Für ein Kellerbier typisch wurde es mit untergäriger Hefe hergestellt, ist trüb und hat relativ wenig Kohlensäure.

Störtebeker Keller-Bier 1402Im Glas zeigt es sich von fahlgelber Farbe mit recht wenig mittelgrobem, weißem Schaum, der auch direkt wieder verschwindet. Es verströmt einen fruchtigen Geruch mit leichten Zitrusnoten. Nicht direkt im Glas, aber in etwas Abstand, kann ich auch ein etwas schwereres Bananenaroma erkennen.

Der Antrunk fällt unerwartet herb und sauer aus. Von der Karbonisierung merkt man erwartungsgemäß wenig. Aber Der Geschmack ist schon etwas erstaunlich. Ich kann keine wirklichen Aromen erkennen, vielleicht ein bisschen was kräuteriges. Stattdessen kommt von Anfang an eine starke herbe Note durch, die vieles andere verdrängt. Diese Herbe wird im Abgang von einer leicht metallischen Note ergänzt. Nicht so berauschend. Leider kommen die aromatischen Bestandteile des Hopfens nicht so zur Geltung, wie ich es mir gewünscht hätte. Wenn man schon vier verschiedene Aromahopfen verwendet, dann sollte man davon auch etwas im Bier merken. Eine irgendwie kräuterige Herbe ist mir da einfach nicht genug.

Einen Körper hat man sich bei diesem Bier wohl gespart. Aber das hätte man sich angesichts der untergärigen Herstellung auch schon fast denken können. Ich habe zwar den leicht kräuterigen Eindruck, aber mehr vermag ich hier nicht zu finden.

Für Pilstrinker sicherlich ein nettes Bier, wenn man mal etwas Abwechslung haben möchte. Mit der ausgeprägten Säure eher was für sommerliche Temperaturen. Sollte man allerdings auf der Suche nach etwas aromatischeren Bieren sein, dann ist das Störtebeker Keller-Bier 1402 nicht zu empfehlen.

Vielleicht hatte ich allerdings auch einfach nur eine belegte Zunge, denn was die Anderen so schreiben, liest sich viel positiver:

Glossner Original Neumarkter Bio-Gold

Für mein Projekt, eigenes Bier zu brauen, benötigte ich noch einige Bügelflaschen. Daher habe ich mich bis zum Abfüllen verstärkt an der Verpackung orientieren. Und da ich nicht immer die Muße habe, einen Blogpost mit allem Drum und Dran zu erstellen, folgen nun noch einige Posts über Biere, die ich bereits vor einigen Wochen verköstigt habe.

Glossner Bräu Neumarkter Bio-GoldEines dieser Bügelflaschenbiere ist das Glossner Original Neumarkter Bio-Gold aus dem Hause Franz Xaver Glossner. Auf der Homepage des Herstellers wird es auf der Startseite als neues Bier hervorgehoben, im Sortiment ist allerdings ein Bier mit einer anderen Etikettenaufmachung enthalten. Wahrscheinlich ist man dabei, die Sorten zu modernisieren, und steckt noch mitten in der Arbeit. Aber das soll uns erst mal nicht weiter interessieren, denn wie heißt es beim Fußball so schön: Wichtig ist auf dem Platz!

Schauen wir uns das ökologische Edelmetall mal genauer an. Es ist bernsteinfarben, leicht sprudelig und bildet wenig feinen, weißen Schaum aus. Es riecht allerdings ungewohnt fruchtig nach Erdbeere. Auch der Hopfen sticht deutlich in der Nase. Im Antrunk ist es ziemlich sauer, aber irgendwie fehlt doch etwas Karbonisierung, daher ist das Bier nur etwas rezent.

Der Körper ist leider recht schmal. Ich schmecke leicht das Malz, leichte kräuterige Aromen, dazu leichte Fruchtnoten, auch hier erkenne ich wieder die Erdbeere. Irgendwie kommt mir hier die Assoziation Bierbowle in den Kopf. Allerdings ist das Bier auch sehr herb, was nicht ganz zur Bierbowle passt. Im Nachgang bleibt die schöne Bittere sehr gut zur Geltung und hält lang an.

Das Neumarkter Bio-Gold ist ein recht süffiges Bier mit fruchtigen Noten. Scheint gut für sommerliche Abende geeignet. Dabei finde ich das Zusammenspiel von Fruchtnoten und schöner Bittere sehr interessant, da sich so vielleicht der oder die ein oder andere Ottonormaltrinker/in an etwas herbere Biere gewöhnt und auch mal etwas in den Bereich der stärker gehopften Biere reinschmecken möchte. Denn dort lauert ein weites Feld…

Die Braubox – Pale Ale

Bei der Suche nach einem Geschenk für einen Kollegen sind wir über die Braubox von den Besserbrauern gestolpert. Nette Aufmachung, moderater Preis von 75€ und alles dabei, was man benötigt. Im Gegensatz zu vielen anderen Starterkits ist bei der Braubox aber nicht Malzextrakt in Dosen enthalten, welches man dann nur noch mit Wasser anrühren muss, sondern es liegt fertig geschrotetes Malz in der Packung. Man kann (oder muss) also den kompletten Brauprozess durchlaufen. Da ich ja lieber verstehe, was die Dinge im innersten zusammen hält, statt sie als Black Box zu verwenden, habe ich nicht lange gefackelt und mir eine Braubox bestellt. Und wie man aus meinen bisherigen Rezensionen zu verschiedenen Bierstilen erraten kann, habe ich mich für die Braubox Pale Ale entschieden (die Braubox IPA gab es damals noch nicht).

Inhalt der BrauboxEinige Tage später erreichte mich dann das heiß ersehnte Paket und ich begann direkt meinen Terminkalender zu checken, wann an welchem Wochenende ich die erforderlichen 5-6 Stunden Zeit aufbringen könnte. Außerdem musste vorher noch ein ausreichend großer Topf besorgt werden. Da ich lediglich über einen Top mit einem Fassungsvermögen von ca. 6 Litern verfüge, habe ich mir bei einer Bekannten einen 10l Suppentopf geliehen. So gerüstet konnte dann mein erster Brautag kommen.

MaischenAm Sonntag dann habe ich um 11:30 Uhr begonnen. Zuerst ging es ans Einmaischen. Also Wasser auf 69°C erwärmen und das Malz hinzugeben. Klingt nicht sonderlich schwierig, aber bereits hier habe ich die Trägheit des Systems Herdplatte/Topf etwas unterschätzt, sodass ich nach dem Einmaischen eine Temperatur von 74°C im Topf hatte. Ob sich das negativ auf das Endprodukt auswirken sollte? Falls es schiefgehen sollte, wusste ich wenigstens schon mal einen Fehler, an dem es gelegen haben kann.

Dieser hoffentlich kleine Fehler sollte mich aber erst mal nicht davon abhalten, weiterzumachen. Also einen Stuhl vor den Herd stellen, Thermometer, Rührlöffel und Buch bereitlegen und abwechselnd lesen, Temperatur messen und immer mal wieder umrühren. Sehr entspannt, muss ich sagen. Als Lektüre hatte ich das Buch Heimbrauen – Schritt für Schritt zum eigenen Bier von Hagen Rudolph gewählt. Ein super Buch für Einsteiger. Allerdings steht dort auf Seite 39 geschrieben, dass bei einer Temperatur von 72°C das Enzym Beta-Amylase zerstört wird. Dieses Enzym ist dafür verantwortlich, aus der Stärke des Malzes die Maltose zu extrahieren, also den Zucker, den die Hefe während der Gärung in Alkohol umwandelt. Über 72°C kommt dann die Alpha-Amylase ins Spiel, die übriggebliebene Stärke in Dextrin umwandelt. Dextrin ist allerdings nicht vergärbar. Sollte mein Fehler zu Beginn des Einmaischens dem Bier bereits den Todesstoß versetzt haben? Aufgeben wollte ich aber auch nicht. Habe ich doch mal irgendwo gelesen, dass es schwierig ist, kein Bier hinzubekommen. Also weitermachen!

Nach dem sehr entspannten und in meinem Fall auch sehr informativen Maischen folgte dann das Läutern. Dazu habe ich die Maische mit einer Suppenkelle in ein Haushaltssieb gegeben und langsam durchlaufen lassen. Dann mit dem Nachguss nochmals den Treber spülen, um möglichst viel Zucker zu lösen. Das Ergebnis ist dann die Würze. Und damit ja kein Zucker verloren geht, habe ich (laut Anleitung) den Treber noch einmal mit der Würze gespült, dieses mal zurück in den (mittlerweile gereinigten) Maischetopf. Zusammen mit dem Nachguss war der Topf dann auch ziemlich voll.

Würze KochenAls nächstes kam dann das Hopfenkochen, also Feuer frei. Die Würze musste zum Kochen gebracht werden und dann nach ein paar Minuten die erste Hopfengabe erfolgen. Cascade riecht schon echt intensiv, wenn man in als Pellets in der Hand hat. Aber da soll er ja nicht bleiben, also rein in den Topf. Und nun heißt es wieder entspannt bis zur zweiten Hopfengabe warten. Man hat also wieder eine Stunde Freizeit, um es sich mit dem Buch bequem zu machen. Ab und an kontrollieren, ob die Würze noch, wie in der Anleitung gefordert, wallend kocht, aber das war es dann auch schon wieder.

HopfenNach der zweiten Hopfengabe und weiteren 10 Minuten Kochzeit habe ich dann die Würze vom Herd genommen und in de Spüle mit kalten Wasser und einigen Kühlakkus auf 20°C gekühlt. Während des Abkühlens wurde der Rest des Hopfens zugegeben.

Die kalte Würze kam dann durch ein Sieb, welches den Hopfen größtenteils wieder ausgefiltert hat, mit der Hefe in die Gärflasche. Gärspund drauf und fertig ist der Brautag. Nun noch etwas aufräumen und um 17 Uhr war der entspannte, aber trotzdem informative und produktive erste Brautag beendet. Wenn das mit dem Gären und Reifen doch nur nicht so lange dauern würde…

JungbierAls dann einige Stunden später im Gärspund erkennbar war, dass sich in der Flasche Gas bildet, welches über den Gärspund entweicht, war mir auch klar, dass mein Fehler zu Beginn des Maischens nicht so schwerwiegend war. Denn offensichtlich hatte die Hefe etwas leckeres gefunden, dass sie sich nun einverleiben konnte.

Eine Woche später

Die Hefe hat ca. 4 Tage lang ihre Arbeit verrichtet, im Anschluss konnte ich auch bei längerer Beobachtung des Gärspunds keine entweichenden Gasblasen mehr erkennen. Sollte also alles fertig sein. Daher habe ich mich am Sonntag nach dem Brautag daran gemacht, das Bier aus der Gärflasche in einen Topf abzuziehen. Hier war darauf zu achten, dass möglichst wenig Hefe, die sich in der Zwischenzeit am Boden der Flasche gesammelt hat, mit in den Topf gelangt. Mit der in der Braubox enthaltenen Pumpe war das relativ einfach möglich. In den Topf mit dem Jungbier wurde dann etwas in Wasser gelöster Zucker gegeben. Dies ist wichtig, damit die Resthefe, die mit in den Topf gelangt ist, in den Flaschen das Kohlendioxid erzeugen kann. Flaschengärung halt. Ohne diese wäre das fertige Bier schal. Nun also das Jungbier mit der Zuckerlösung wieder mit der Schlauchpumpe aus der Braubox in die Flaschen abfüllen. Dann wieder etwas sauber machen und schon ist der zweite Teil des Bierbrauens erledigt. Mit Flaschen reinigen und anschließendem Spülen der Gärflasche, Pumpe etc. keine zwei Stunden Arbeit.

Und nun heißt es weiter warten…

Eine weitere Woche später

Die erste Woche standen die Flaschen weiterhin in der Küche. Die Hefe braucht ja eine genügend hohe Temperatur, um den Zucker zu Kohlendioxid zu vergären. Da hierbei Druck in der Flasche entsteht, und ich gelesen habe, dass die Flaschen durchaus schon mal explodieren, habe ich sie in eine Schüssel gestellt und mit einem Tuch abgedeckt. Wenn tatsächlich eine Flasche platzen sollte, dann soll sie möglichst wenig Schmutz verursachen. Nach einer Woche Flaschengärung, die auch den neu zugegebenen Zucker restlos verzehrt haben sollte, habe ich die Flaschen dann zur Endreifung in die dunkle und kühle Kammer gestellt.

Und nochmal warten…

Nochmal zwei Wochen später

SelbstgebrautesHeute ist der große Tag. Ich werde mein erstes selbstgebrautes Bier trinken. Die Flasche habe ich auf dem Balkon geöffnet. Ordentlich Druck ist drauf, aber es geht nichts schief. Und es riecht schon lecker nach Cascade. Also rein uns Glas. Feiner, weißer Schaum, hält sich ein paar Minuten. Geruch bleibt bei Cascade, sonst nichts erkennbar. Perlt ganz gut im Glas.

Im Antrunk ist es allerdings wenig sprudelig, die leichte Säure kann es aber etwas rausholen, wenn auch ein etwas wässriger Eindruck bleibt. Schmaler Körper, wenige Aromen. Stattdessen knallt der Hopfen für meinen Geschmack etwas zu kräftig. Im Abgang gesellt sich dann eine leicht metallische Note zum Hopfen, der ein schön trockenes, bitteres Gefühl zurücklässt. Irgendwie schon ein super Bier, weil es mein erstes Selbstgebrautes ist, aber andererseits muss ich eingestehen, dass es aromatisch nicht so der Knaller ist. Wenig Aroma, dafür der Hopfen zu stark. Aber gibt es wohl das perfekte Bier???

Die Besserbrauer liefern übrigens noch 10 gute Gründe, warum jeder sein eigenes Bier brauen sollte. Ich kann es euch wärmstens empfehlen.

Störtebeker Bernstein-Weizen

Vor einiger Zeit hatte hatte ich mit den Strandräubern von Störtebeker ja schon mal ein paar Vertreter aus dem Norden hier im Blog. Und heute möchte ich mit einem großen Bruder der Strandräuber, dem Störtebeker Bernstein-Weizen, die nordische Serie fortführen.

Störtebeker Bernstein-WeizenDas Bernstein-Weizen kommt in einer, für Störtebeker typisch, stylisch designten Flasche daher. Auf dem Etikett ist ein Großsegler in rauer See abgebildet, die Schriften sind gut gestylt und das Rückenetikett beinhaltet alle Informationen, die man sich wünscht. Das Weizen bringt 5,3% Alkohol auf die Waage, die es aus 12,9% Stammwürze gewonnen hat. Es kamen neben Weizen, Caramel- und Pilsener Malz auch die Hopfensorten Perle und Magnum zum Einsatz. Interessantes Detail: Auf der Homepage zum Bier wird Smaragd als Hopfensorte genannt. Da scheint wohl die Rezeptur geändert worden zu sein.

Schon beim Eingießen der fahlgelben Flüssigkeit breitet sich ein intensiver Duft nach Banane aus. Auch esthrige Noten sowie die Hefe sind klar erkennbar. Warum das Bier allerdings Bernstein-Weizen heißt, erschließt sich mir nicht ganz. Denn bernsteinfarben ist es eigentlich nur, wenn man es in den Schatten stellt. Aber nachts sind ja auch alle Katzen grau…

Im Antrunk ist das Weizen sehr leicht und rezent, obwohl nicht sehr viel Kohlendioxid enthalten ist. Auch Säure ist nicht sehr viel enthalten, sodass die Frische wohl eher auf darauf zurückzuführen ist, dass das Weizen im Ganzen nicht so schwer ist, wie man es oftmals vorfindet. Der Körper fällt daher fast schon etwas wässrig aus, obwohl er geschmacklich nicht schlecht ist. Leicht, sommerlich, erfrischend, aber nicht wirklich aromatisch. Man kann das Weizenmalz erkennen, auch ist ein leichter Hefegeschmack vorhanden. Aber auch hier gilt wieder: Nicht so aufdringlich wie bei manch anderem Vertreter dieser Sorte.

Der große Bruder der Strandräuber ist mir irgendwie etwas zu beliebig. Ich mag es gern etwas kräftiger, daher gefällt mir dieses Weizen nicht so gut. Geschmacklich ist es auf jeden Fall ein leckeres Bier, dass sich im Sommer prima an lauen Abenden trinken lässt. Allerdings auch nur so nebenbei. Irgendwie fehlt mir ein wenig Profil.

Was sagen die Anderen: