Allgäuer Büble Bier Edelweissbier

Lang, lang ist’s her, dass ich mein letztes Weißbier getrunken habe. Und heute hatte ich noch mal richtig Lust auf eines. Der erste wirkliche Sonnentag, viel unterwegs, was leckeres gekocht, da hat man dann irgendwie Lust, den Abend bei einem leckeren Weizen ausklingen zu lassen. Und glücklicherweise hatte ich gestern das Allgäuer Büble Bier Edelweissbier in den Kühlschrank gestellt. Diese obergärige Spezialität aus dem Allgäuer Brauhaus, welches zur Radeberger Gruppe gehört, bringt 5,3% Alkohol aufs Etikett.

Allgäuer Büble Bier EdelweissbierDas Edelweissbier fließt bernsteingelb aus der 0,5l Bügelflasche, die mit einem netten Büble verziert ist. Das Etikett erinnert mich an den Brandt Zwieback, nur sieht es altertümlicher aus. Aber zurück zum Bier. Es bildet eine riesige Schaumkrone aus feinem, weißen Schaum aus, die leider nur kruz hält. Weiterhin ist es hefetrüb und hat scheinbar keine Kohlensäure; Im Glas ist es absolut still. Dafür riecht es intensiv nach Hefe (irgendwie nicht verwunderlich). Doch auch die fruchtig-bananige Note ist nicht sehr stark. Irgendwie scheint dem Bier etwas zu fehlen.

Leider setzt sich dieser Eindruck auch im Geschmack fort. Der erste Schluck offenbart, was man von Anblick schon befürchtet hatte: Das Bier ist zwar recht sauer, aber durch die fehlende Kohlensäure macht es keinen frischen Eindruck. Auch aromatisch ist es eher zurückhaltend. Weder die Hefe, noch die Fruchtaromen sind herausragend. Stattdessen kann man sogar die Hopfenbittere und leichte Zitrusaromen erkennen. Der Körper ist sehr schmal, fast schon wässrig. Im Abgang wirkt das Bier fade.

Positiv ist zu bemerken, dass es bei weiten nicht so schwer daherkommt wie manch anderes Weißbier. Auch sind alle typischen Geschmacksmerkamle vorhanden. Nur eben sehr dezent. Wer es also etwas leichter mag, ist mit diesem Weißbier sicher gut beraten. Wer jedoch an kräftigen Aromen, vielleicht auch an der ein oder anderen Ecke oder Kante interessiert ist, wird mit diesem Bier nicht auf seine Kosten kommen.

Mönchshof Landbier

Wieder eine längere Pause, in der ich allerdings ein anderes Projekt verwirklicht habe, über welches ich hier noch gesondert berichten werden. Aber hier im Blog soll es nun erst einmal weitergehen mit den Bieren der Erde, im speziellen mit dem Mönchshof Landbier von der Kulmbacher Brauerei. Das Landbier zieht 5,4% Alkohol aus 12,5% Stammwürze. Ursprünglich wurde das Bier von der Mönchshof Brauerei hergestellt, welche dann im Jahr 1984 in der Kulmbacher Brauerei aufgegangen ist.

Mönchshof LandbierStrohgelb und klar ist das Landbier. Es bildet viel feinen, weißen Schaum aus, der sich lange auf dem recht sprudeligen Bier hält. Es riecht hopfig mit einer leicht würzigen, aber auch etwas süßlichen Note.

Geschmacklich süß ist das Landbier allerdings nicht, sondern eher sauer. Auch ist weniger Kohlensäure enthalten als es den Anschein hatte. Trotzdem ist das Bier eher frisch. Der Körper ist würzig, aber nicht sehr breit. Nichts sticht hervor, sodass man einen ausgewogenen Eindruck bekommt. Im Nachgang kommt dann die Bittere zum Vorschein, die zuvor schon einmal kurz aufgeblitzt ist, sich aber nicht zu sehr aufdrängt. Daher bleibt das Landbier rund im Abgang.

Erst nach einigen Schlucken kann ich ein Nelkenaroma erkennen. Ob es vorher noch nicht da war und sich erst mit steigender Temperatur zeigt, oder ob ich es einfach nicht definieren konnte, vermag ich nicht zu sagen.

Negativ bleibt festzuhalten, dass das Landbier einen metallischen Beigeschmack hat. Dieser ist nicht so extrem, wie ich ihn bei verschiedenen anderen Bieren bemerkt habe, aber wer empfindlich auf solche Aromen reagiert, wird mit dem Landbier wahrscheinlich nicht glücklich werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Mönchshof Landbier ein ausgewogenes Bier ist, welches hier und da eine kleine Macke hat. Mir persönlich gefällt es nicht so gut, da Landbier im allgemeinen nicht mein bevorzugter Bierstil ist. Wer diesen Bierstil mag, der wird mit dem Landbier von Mönchshof sicher einen guten Vertreter seiner Gattung im Glas haben.

Was sagen die Anderen:

Störtebeker Strandräuber

Nach einer beruflich bedingten längeren Pause möchte ich heute mit einer ganzen Bande den roten Faden des Blogs wieder aufnehmen. Denn in der Zwischenzeit, in der ich nicht in dem Maße zum Schreiben gekommen bin, wie ich es gewollt habe, habe ich dennoch das ein oder andere Bier getrunken. Leider nicht immer nach allen mir verfügbaren Regeln der Kunst verkostet, weshalb ich hier und da ein Bier “nachtrinken” werde müssen. Aber es gibt schlimmeres. Aber wie eingangs bereits erwähnt, kommt es heute knüppeldick, denn ich habe drei Strandräuber aus dem Hause Störtebeker mitgebracht. Aber keine Angst, die Drei sind eigentlich ganz harmlos. Denn es sich Biermixgetränke.

Störtebeker Strandräuber SanddornBeginnen möchte ich mit dem Sanddorn Weizen-Bier. Es ist fahlgelb und hefetrüb, also nicht wirklich sanddornfarben und hat wenig haltbaren, weißen Schaum. Der Geruch dagegen ist dann eher wie man es erwartet, wenn auch nicht so intensiv. Es riecht halt nach Weizenbier und Sanddorn. Ganz einfach, ohne viel Schnickschnack. Der Antrunk fällt sehr rezent aus, sauer, mit etwas Kohlensäure. Der wässrige, sehr schmale Körper bleibt leicht sauer, zusammen mit der leichten Süße und dem nicht aufdringlichen Sanddorngeschmack angenehm dezent. Im Nachgang dann kommt das Weizen mit leichten Hefegeschmack zum Vorschein. Mit 2,1% ein sommerlich-frisches Mixgetränk. Lecker!

Störtebeker Strandräuber QuitteDer nächste Landpirat basiert wieder auf einem Weizenbier, dieses mal allerdings mit Quitte gemischt. Eigentlich kann ich die Beschreibung von oben übernehmen, denn es ändern sich nur Kleinigkeiten. Da wäre zum einen der mit 2,1% geringfügig höhere Alkoholgehalt. Zum anderen riecht dieser Strandräuber etwas intensiver, dieses mal nach Quitte und Karotte sowie Weizen und Banane. Auch der Geschmack fällt etwas komplexer aus, denn auch hier ist es mir nicht ganz möglich, zwischen Quitte und Karotte zu differenzieren. Aber das war es dann auch schon mit Unterschieden.

Störtebeker Strandräuber ZitroneEin bisschen mehr Unterschiede hat der dritte Strandräuber zu bieten, basiert er doch auf einem Kellerbier. Aber grundsätzlich anders geht es auch hier nicht zu. Das Mischgetränk riecht zitronig, ganz leicht ist ein Bananenaroma erkennbar. Im Geschmack ist es wenig süß, dafür aber lecker zitronig. Im Unterschied zu den Weizenbieren schmeckt man hier im Nachgang kurz ein Hopfenaroma, aber auch das nicht sehr intensiv.

Die drei Strandräuber sind leckere, erfrischende Sommergetränke, die allerdings keine besonderen Geschmackserlebnisse bieten. Aber als Alternative zum Feld-Wald-Wiesen-Radler können sich die drei allemal sehen lassen.

Übrigens sind die Drei eigentlich zu viert. Aber irgendwie hat es die Kellerbier-Kirsch-Variante nicht in meinen Einkaufskorb geschafft. Nach meinen letzten Cherry-Porter-Erfahrungen bin ich darüber allerdings nicht wirklich böse.

Propeller Nachtflug

Kürzlich hatte ich den Aufwind von Propeller vorgestellt, daher will ich heute gar nicht so weit abschweifen und mit dem Propeller Nachtflug weitermachen. Das Imperial Stout mit dem passenden Namen ist das zweite Bier der Marke Propeller aus dem Hause Bosch. Auch dieses Bier wurde in 0,33l Longneck-Flaschen abgefüllt und mit einem Kronkorken verschlossen, der, wie es bei Bosch üblich ist, auf der Innenseite einen zufälligen Wurf mit zwei Würfeln zeigt. Gewinnen kann man mit besonderen Kombinationen meines Wissens nach nichts, aber gelegentlich kann man damit in geselliger Runde schon mal das ein oder andere Spielchen spielen.

Propeller NachtflugDer Nachtflug wurde Seitens des Herstellers als Imperial Stout betitelt, was im Gegensatz zum Aufwind dieses mal auch mit den einschlägigen Bewertungen einher geht. Es liegt mit 9,1 Volumenprozent Alkohol deutlich über der “Untergrenze” für diesen Biertyp, die bei 8% liegt. Auch das satte Schwarz entspricht voll den Kriterien. Der feinporige, braune Schaum ist typisch für ein Stout, hält aber nicht lang. Das Bier riecht nach Hopfen, was ich irgendwie nicht so stark erwartet hätte, aber natürlich sind auch die Röstaromen nach Schwarzbrot und Kaffee enthalten. Oftmals wird auch Schokoladenaroma erkannt, aber dafür scheint mein olfaktorisches Messgerät keine Rezeptoren zu haben.

Der Antrunk fällt eher süß aus, und zusammen mit dem sparsamen Einsatz der Kohlensäure fällt es mir schwer, hier irgendetwas frisches zu erkennen. Aber ob ein Stout erfrischend sein soll, kann ich nicht beantworten. Ich habe jedenfalls eher den Eindruck, dass ein Stout die Inkarnation des Spruchs “flüssiges Brot” ist.

Der Nachtflug hat einen breiten Körper, der die Röstaromen sehr schön transportiert, um dann in einen bitteren Abgang überzugehen, der letztlich durch den Alkoholgeschmack abgeschlossen wird. Das Bier ist sehr lecker, aber ich tue mich immer etwas schwer, wenn zu viel Alkohol im Spiel ist. In diesem Fall ist das aber auch nur ein kleiner Minuspunkt.

Was sagen die Anderen:

Propeller Aufwind

Lokale Biere wollte ich vorstellen, bin aber kürzlich etwas abgeschweift. Das lag unter anderem daran, dass ich mit einem besonderen lokalen Bier weitermachen wollte, die Beschaffung allerdings komplizierter war als gedacht. Doch nun bin ich fündig geworden, wenn auch mehr durch Zufall, und habe (neben weiteren) eine Flasche des Propeller Aufwinds erstanden.

Propeller ist eine Marke, die in der Bosch Brauerei im benachbarten Bad Laasphe gebraut wird, und Aufwind ist das erste IPA aus diesem Hause. Propeller nennt es ein Double IPA, allerdings liegt es mit einem Alkoholgehalt von 6,5% mindestens einen Prozentpunkt unter der Untergrenze für DIPAs. Allein die Umdrehungen machen aber auch noch kein Double IPA, sondern auch die Süße spielt eine Rolle, den DIPAs sind durch den höheren Anteil Stammwürze auch meistens malziger als die “einfachen” Geschwister. Ob der Aufwind nun ein DIPA oder nur ein gewöhnliches IPA ist, wird sich also zeigen.

Propeller AufwindDer Aufwind ist in einer 0,33l Longneck-Flasche eingesperrt. Lässt man ihn in ein Glas wehen, thront viel leicht getönter, teilweise mittelgrober, Schaum auf dem klaren, bernsteinfarbenen, leicht sprudeligen Gebräu. Der Schaum hält nur kurz. Der Aufwind riecht kräftig nach Hopfen mit den für ein IPA gewöhnlichen Fruchtnoten. Hier sticht die Citrusnote klar hervor. Unterschwellig ist auch eine würzige Komponente erkennbar.

Entgegen der durch die Kohlensäure geweckte Erwartung ist es nicht sehr rezent, da es tatsächlich weniger Kohlensäure enthält, als es den Anschein machte, und sauer ist es auch nicht so richtig. Daher fällt im Antrunk schon der leicht würzige Körper auf, der trotz des nur unterschwelligen Fruchtaromas doch recht bitter ist. Diese Bittere legt sich dann auch auf die Zunge, bleibt dort allerdings ohne weitere Aromen liegen. Geschmacklich ist der Aufwind daher kein aufdringliches IPA, weiß mit seinen eher zurückhaltenden Aromen trotzdem zu überzeugen.

Was sagen die Anderen:

Riedenburger Dolden Sud

Der Riedenburger Dolden Sud war mein erster Kontakt mit Craft Beer, auch wenn ich es damals noch nicht wusste. Ich stand im Biomarkt meines Vertrauens, hatte mich kurz zuvor mit dem Emmer Bier vergnügt und wollte nun schauen, was sich da sonst noch an interessanten Getränken im Regal befanden. Und da stand die Flasche mit dem Elefanten und der Aufschrift IPA. Ich hatte keine Ahnung, was ein Bavarian India Pale Ale sein sollte, auch mit 55 International Bitter Units konnte ich nichts anfangen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Also habe ich die Flasche (neben anderen) mitgenommen.
Ein paar Tage später nahm ich dann den Dolden Sud aus dem Kühlschrank und probierte (damals noch aus der Flasche). Ohne übertreiben zu wollen, aber dieser erste Schluck hat mich aus den Socken gehauen. Bitter, fruchtig, würzig, so ganz anders als alles, was ich vorher unter dem Begriff Bier getrunken habe. Ich war total begeistert. Und urplötzlich war auch mein Interesse daran geweckt, was da sonst noch lauert. Das Regal im Biomarkt hatte zwar noch mehr zu bieten, aber irgendwie hatte ich damals schon das Gefühl, dass es da eine ganze Welt zu entdecken gab. Denn wenn man solche für mich gänzlich neuen Aromen mit den “üblichen” Zutaten in ein Bier bekommt, dann musste es auch Vorstufen, nachgemachte, mitentwickelte oder auch konkurrierende Biere geben. Und so habe ich begonnen, mich immer tiefer in das Thema Bier einzulesen und einzuhören.

Vielleicht sollte man diesen Test daher immer vor dem “historischen” Hintergrund lesen. Auch wenn mir das Bier heute wieder super geschmeckt hat, bin ich wahrscheinlich in diesem Fall noch subjektiver, als ich es als ungeschulter Laie eh schon bin. Man sehe es mir nach.

Riedenburger Dolden SudAber nun zu Sache: Der Dolden Sud aus dem Sud 47 rinnt mit seinen 6,5% in einem dunklen Gelb ins Glas. Die Farbe erinnert mich an Aprikosen, fast schon mit einem Stich ins Ockerbraune. Da das Bier nicht gefiltert ist, sind viele Schwebteilchen erkennbar. Der Schaum ist sehr weiß und eher mittelgrob und bleibt wenige Minuten stehen.

Wenn dann der Weg frei ist, riecht es intensiv nach Maracuja, Mango, Citrus, also sehr fruchtig, und trotzdem noch mit einer würzigen Unternote. Das verwendete Malz ist also erkennbar, wenn auch nicht sehr prominent.

Im Antrunk ist das IPA etwas rezent, aber durch den nicht sehr starken Einsatz von Kohlensäure und auch die fehlende Säure hat man bereits hier die Gelegenheit, die kommenden Aromen zu schmecken. Der Dolden Sud hat einen recht vollen Körper, in dem das Malzaroma sehr gut mit den fruchtigen Noten des Hopfens harmoniert. Nach wenigen Sekunden, wenn der Hopfen richtig knallt, stellt sich dann ein trockeneres Mundgefühl ein, und die Bittere legt sich auf die Zunge, wo sie auch einige Zeit schmeckbar bleibt. Dabei kommt der Hopfen aber nicht zu bitter rüber, sondern regt eher zum unterschwelligen Nachschmecken an.

Ich bin noch immer restlos begeistert von diesem IPA. Und allen, die es mal in die Hände bekommen, möchte ich den Text auf dem Rückenetikett empfehlen (den man zwar auch auf der Homepage lesen kann, aber dort kann man das Bier so schlecht schmecken).

Augustiner Bräu Lagerbier Hell

Die älteste Brauerei Münchens, gegründet 1328. Auch heute wieder ein Bier, dem man mit etwas Respekt entgegentritt. Dabei sieht die 0,5l Euro-Flasche recht unspektakulär aus, das Etikett wirkt fast schon etwas billig. Aber beim Bier geht es ja doch eher um den Inhalt als um die Verpackung.

Augustiner Bräu Lagerbier HellGoldgelb und klar rinnt das Augustiner Bräu Lagerbier Hell ins Glas. Es bildet sich viel weißer, feiner Schaum, der auch fast direkt wieder verschwunden ist. Ein kleines Strohfeuer. Immerhin passt die Farbe. Was man vom Geruch allerdings nicht behaupten kann. Das helle Vollbier riecht zwar nach Hopfen, hat allerdings auch einen metallischen Geruch. Und es riecht irgendwie schal. Tödlich für ein Bier.

Auch im Geschmack kann das Lager nichts reißen. Im Antrunk kommt es zwar etwas sauer und auch rezent daher, aber da es nicht wirklich Kohlensäure enthält, verzieht sich der Eindruck genauso schnell wie es der Schaum getan hat. Im Körper ist es wenig würzig, und auch hier ist es damit schon wieder vorbei. Im Nachgang wird es ein bisschen bitter, um sich dann in einem wässrigen Eindruck zu verlieren.

Was soll ich sagen. Ein helles Lager mit 5,2%, langweilig vom Etikett bis zum letzten Schluck. Oder anders ausgedrückt, ein süffiges Leichtes für nebenbei. Es liegt halt doch alles im Auge des Betrachters.

Flensburger Gold

“Das flenst!” Den Spruch kennt wahrscheinlich jeder. Drei coole, teils knorzige Friesen sitzen am Meer, wundern sich über die Welt und stoßen dann mit einem Flensburger Pils an. Klebriger Slogan, cooles Image. Zumindest bei mir hat die Werbung funktioniert. Daher habe ich auch neulich beherzt zugegriffen, als im lokalen Flaschenladen ein Flensburger Gold herumstand. Zwar nicht das in der Werbung gepushte Pils, aber schlecht werden muss es deshalb ja auch nicht. Obwohl die Flensburger Brauerei alles dafür tut, dass genau dies passiert. Denn sie füllen das gute Gold in weißen Glasflaschen ab. So kann die UV-Strahlung ungehindert durch das Glas dringen. Da ging wohl Design vor Qualität.

Flensburger GoldNun gut. Was steckt denn nun in der Flasche. Das Flensburger Gold ist ein klares, intensiv gelbes Bier, mit blütenweißem Schaum, welcher nicht lange hält. Das Bier ist leicht sprudelig und sieht irgendwie ungewohnt aus. Ich vermute, dass es an der hellen Farbe liegt. Das Bier scheint irgendwie zu leuchten. Daher passt der Name recht gut.

Das Bier riecht intensiv nach Hopfen, allerdings auch nur danach. Ich kann kein besonderes Aroma erkennen. Im Antrunk ist es etwas süß an der Zungenspitze und wegen dem nicht übermäßigen Einsatz der Kohlensäure auch nicht ganz so rezent, wie ich es erwartet hätte. Einen Körper hat das Bier nicht, stattdessen erweckt es einen wässrigen Eindruck. Erst im Nachgang kommt die Bittere, die dann aber auch nur kurz anhält.

Das liest sich bisher nicht so berauschend, allerdings muss ich sagen, dass das Bier irgendwie lecker ist. Wahrscheinlich entsteht durch die fehlenden Aromen und auch sonst keine Ecken und Kanten einfach keine Angriffsfläche. Das Flensburger Gold ist sehr süffig, nicht herausragend, aber es geht bestimmt ganz gut für Zwischendurch. Mit seinen 4,8% trägt es auch nicht zu stark auf.

So bleibt einzig die Frage, wie man auf die Idee kommen konnte, die Quelle unter der Flensburger Brauerei Gletscherquelle zu nennen.

Paulaner Salvator

Paulaner steht auf der Flasche. Da denkt man ja direkt an Mainstream. Aber von einem Bier mit Namen Salvator habe ich bisher noch nichts gehört. Dabei ist gerade der Salvator, der seit über 375 Jahren von den Paulanern und nun von der daraus ausgegliederten und verkauften gekauften Paulaner Brauerei eines der traditionsreichsten Biere in Deutschland. Dazu kommt noch, dass durch den Salvator wohl die typische Namensendung -ator für einen Doppelbock begründet wurde. Auch das ist mir neu. Ist aber nicht verwunderlich, beschäftige ich mich doch auch erst seit einigen Monaten intensiver mit dem Thema Bier.

Nun hatte ich also dieses Urgestein von Gerstensaft vor mir stehen (was ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wusste). Das ein Doppelbock nicht zu den leichten Vertretern dieser Getränkegattung gehört, war mir durchaus klar. Daher bin ich dem Salvator auch mit einem gewissen Maß an Respekt gegenübergetreten. Aber irgendwann muss man sich ja auch mal an was Stärkeres wagen.

Paulaner SalvatorIm Glas ist das Salvator rotbraun mit einer gebräunten Krone aus feinem Schaum, der leider nicht sehr lange hält. Der Geruch von Hopfen steigt mir schnell in die Nase, was mich allerdings etwas erstaunt. Ein Doppelbock wird normalerweise mit einem Stammwürzegehalt von um die 18° eingebraut, was bei mir eher die Erwartung an malzige Noten geweckt hatte. Die sind aber lediglich durch eine leichte Karamellnote vertreten. Auch riecht der Salvator fast nicht süß.

Im Antrunk ist der Salvator irgendwie langweilig. Er hat eher wenig Kohlensäure und zusammen mit der wenigen Säure kann man daher nicht von einem rezenten Bier sprechen. Das hatte ich zwar bei einem Doppelbock auch nicht erwartet, aber trotzdem bleibt ein fader Eindruck zurück.

Im Körper ist er eher weich, mit leicht würzigen Noten. Auch habe ich irgendwie den Eindruck von Kräutern. Konkrete Aromen kann ich jedoch keine erkennen. Im Nachgang ist dann der Alkohol klar erkennbar. Zusammen mit einer seltsamen Bittere und dem Alkoholeindruck finde ich das irgendwie unstimmig. Ich kann nicht genau beschreiben, was fehlt oder was zu viel ist, aber mein Geschmack ist der Salvator nicht. Vielleicht bin ich auch einfach kein Typ für Doppelbock und Co. Das wird sich bestimmt im Laufe weiterer Tests dieser Art zeigen.

Irle Edel-Pils

Das Brauhaus Johann Friedrich Irle ist ein Siegener Traditionsunternehmen. Angefangen mit einer kleinen Brauerei und Brennerei, die vornehmlich die eigene Gastronomie bediente, wuchs das Unternehmen seit seiner Gründung 1693 über viele Generationen im Familienbesitz bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. In seinen Hochzeiten betrug der Ausstoß 120.000 Hektoliter pro Jahr. Bedingt durch die schwache wirtschaftliche Entwicklung sowie den immer stärkeren Marktdruck der hiesigen Brauereien, vor allem der Krombacher Brauerei, wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Entscheidung gefällt, sich auf eine kleine Nische zu reduzieren. So wird heute auf einer kleinen Brauanlage zwar noch immer das Irle Edel-Pils produziert, allerdings nur noch in geringem Umfang. Dazu wurde mit dem Sudwerk wieder ein gastronomischer Betrieb gestartet. Die Brauerei hat sich quasi back to the roots entwickelt. Neben dem Pils werden noch saisonale Spezialitäten wie helles und dunkles Zwickel oder auch ein Maibock eingebraut.

Irle Edel-PilsDas Irle Edel-Pils, welches ich mir heute gegriffen habe, kommt in der 0,5l NRW-Flasche. Verziert ist diese mit dem gefühlt seit Jahrhunderten unveränderten Etikett, welches neben der Marke und dem Namen lediglich ein Wappen mit Bergmann und Hüttenmann darstellt. Diese Symbolfiguren standen jahrzehntelang für die Montanindustrie im Siegerland, die erst mit dem Ende des Bergbaus 1965 einen Wandel hin zur stahlverarbeitenden Industrie sowie dem Maschinenbau vollzog. Vor diesem Hintergrund hat sich das Irle Edel-Pils also noch ein gewisses Maß an Tradition bewahrt.

Das Irle Edel-Pils ist klar und hellgelb, fast schon etwas bleich. Es bildet einen feinen, weißen Schaum aus, der allerdings schnell wieder vergeht. Im Geruch ist der Hopfen klar erkennbar. Man kann Zitrusaromen klar erkennen, aber auch andere fruchtige und auch leicht blumige Noten. Malz kann ich nicht ausmachen.

Und so ist auch der Geschmack wenig überraschend. Der Antrunk ist durch die wenige Säure und den mittelmäßigen Einsatz von Kohlensäure nur leicht rezent. Der Körper ist mittelmäßig, hat eine gewisse Würze und zeigt schon die Bittere, die im Nachgang dann sehr deutlich zu Tage tritt. Ich habe keine Angaben zu Bittereinheiten gefunden, aber sie dürften doch merklich über den niedrigen 30er-Werten der normalen Industriebiere liegen. Im Nachgang bildet sich ein trockenes Mundgefühl aus.

Das Irle Edel-Pils ist ein leckeres, kräftig gehopftes Pils mit überdurchschnittlicher Bittere. Es ist recht süffig, allerdings habe ich gelegentlich den Eindruck, dass es schnell zu Kopf steigt. Aber das kann auch an meiner Tagesform hängen. Nichtsdestotrotz eines der letzten lokalen Biere, die nicht zu einem global player gehören und allein deshalb schon unterstützenswert.