Adventskalender 17 – Westerwald Brauerei Rothaar Landbier

Ich komme ja aus der Gegend am südlichen Ende des Rothaargebirges, wo auch das allseits bekannte Krombacher gebraut wird. Da wir nicht nur, aber auch wegen dieses Braugiganten nicht mehr viele lokale Bierspezialitäten haben, war ich heute umso überraschter, als in meinem Bieradventskalender eine Flasche Rothaar Landbier enthalten war. Kannte ich bisher gar nicht. Gebraut wird dieses untergärige Landbier von der Westerwald Brauerei, die wahrscheinlich besser unter dem Markennamen Hachenburger bekannt ist. Seltsamer Weise findet man auf der Homepage der Brauerei keinerlei Hinweise auf das Rothaar Landbier.

Westerwald Brauerei Rothaar LandbierDas Etikett der 0,33l Bügelflasche ziert ein gehörntes Tier. Eine Bewertung des Bieres auf der Seite Bier-Index bezeichnet das Tier als Wisent, woher das Bier seinen Namen haben soll. Ich hege da so meine Zweifel, denn Wisente sind nicht rot und zählen nicht zum Rotwild. Allerdings sind vor einiger Zeit im Rothaargebirge Wisente ausgewildert worden. Ich denke, das könnte für die Wahl des Bildes ausschlaggebend gewesen sein.

Aber nun zum Rothaar Landbier. Es ist bernsteinfarben und naturtrüb und hat eher wenig Kohlensäure. Der feine Schaum ist bräunlich, vergeht aber sehr schnell wieder. Der dadurch freiwerdende Geruch ist dominiert von Hopfen mit leichten Zitrusnoten. Primär sind auch malzige Aromen erkennbar.

Im Antrunk ist das Landbier wenig sauer, kann aber durch die Kohlensäure noch als rezent bewertet werden. Aber schon im Antrunk werden die malzigen Aromen erkennbar, die dann im Körper münden. Der scheint recht breit zu sein, allerdings wird er lediglich von Malz getragen. Es kommt noch ein weiteres Aroma hinzu, welches ich nicht genau deuten kann. Ich würde es als rauchig, aber auch irgendwie nussig beschreiben. Erst im Anschluss wird das Landbier etwas herb, was sich durch den kurzen Abgang zieht. Hier wird dieser herbe Eindruck dann recht stark für ein Landbier. Die Textur ist etwas ölig, allerdings kann das Bier daraus kein Kapital schlagen.

Insgesamt ist es ein recht süffiges Bier. Mit seinem Alkoholgehalt von 5,1 Volumenprozent kommt es mir jedoch irgendwie katerverdächtig vor. Besonders gestört hat mich allerdings der leicht muffige Geruch, nachdem das Bier einige Minuten im Glas gestanden hat. Vielleicht soll das an den Wisent erinnern, lecker ist es aber nicht. Und der Umstand, dass die Brauerei keinerlei Informationen über das Bier im Internet veröffentlicht, hinterlässt einen weiteren seltsamen Beigeschmack.

[Update]Wie ich gerade herausgefunden habe, handelt es sich bei der Marke Rothaar um eine Eigenmarke des Getränkehändlers Dursty. Und namensgebend ist tatsächlich das vermeintlich rotbraune Fell des Wisents.[/Update]

Adventskalender 16 – Maisel & Friends Pale Ale

Weiter geht’s mit dem Adventskalender. Langsam, aber sicher, nähere ich mich dem Ende, auch wenn die 24 schon verköstigt wurde. Aber immerhin bin ich nun im letzten Drittel. Und dort erwartet mich endlich ein IPA. Bisher habe ich erst eines getrunken, war davon aber sehr begeistert. Daher habe ich mich über die heutige 0,33l Longneck-Flasche Pale Ale aus dem Bayreuther Hause Maisel & Friends besonders gefreut. Dort wird aus Wasser, Gerstenmalz, amerikanische Alehefe und den fünf Hopfensorten Herkules, Chinook, Amarillo, Simcoe, Citra ein Pale Ale gebraut, was es in sich hat. Aus 12,3 Grad Plato werden mit obergäriger Hefe 5,2 Volumenprozent Alkohol gebraut. Durch das “Eimerweise” Stopfen des Bieres kommt das Pale Ale auf 35 IBUs.

Goldgelb und naturtrüb läuft es ins Glas, bildet eine schöne feine Krone, der sich aber eher schnell wieder verzieht und den Weg freigibt für die intensiven Geruchsaromen. Die Nase wird von süßer Mango oder Papaya und zitronigem Hopfen umschmeichelt, der Citra-Hopfen läst also ein wenig die Muskeln spielen. Bereits hier bekommt man richtig Lust auf das Pale Ale.

Aber auch der GeMaisel & Friends Pale Aleschmack weiß zu überzeugen. Der passende Einsatz von Kohlensäure zusammen mit der dünnen Textur und einer leichten Säure zeigen das Bier im Antrunk sehr rezent. Allerdings ist hier schon das süße Mangoaroma erkennbar, welches sanft in den Körper herüberträgt. Dort verbindet es sich dann mit dem Limonenaroma und bildet eine schöne Grundlage für den recht breiten Körper. Und hier muss ich mir eine Formulierung der Brauer ausleihen: Der Körper verfügt über ein Brett an Hopfenaromen. Aber hier ist es der Genuss nicht vorbei. Im Abgang geht der bittere Limonen-Mangogeschmack langsam in einem Meer aus Hopfenaromen unter, das immer wieder heranwogt und verschiedene Aromen erneut einzeln präsentiert. Ab und an taucht auch nochmal etwas Limonenaroma auf. Wunderbar, wie sich der Hopfen ölig auf die Zunge legt.

Ich bin restlos begeistert von diesem Pale Ale. Eine Geschmacksexplosion, wie ich sie bisher noch in keinem Bier gefunden habe. Liebe Leute rund um Braumeister Chris Sullivan, macht weiter so! Ich freue mich schon auf eure übrigen Kreationen, hoffe aber, dass ihr irgendwann nochmal einen anderen Pale Ale-Hammer einbraut, gerne auch mit noch ein paar IBUs mehr.

Adventskalender 15 – Riedenburger Festbier

An der falschen Position 15 und sowieso zu spät fand ich heute das Riedenburger Festbier im Bieradventskalender. An der falschen Position deshalb, weil die Flasche mit einem Nikolaus auf dem Etikett verziert ist. Daher hätte wohl eher das sechste Türchen gepasst. Aber man will ja nicht meckern.
Das Riedenburger Festbier ist das zweite Festbier (neben dem Viva Bavaria) aus dem Hause Riedenburger und steht auch in der 0,5l Bügelflasche vor mir. Mit einem Alkoholgehalt von 5,5 Volumenprozent ist es geringfügig stärker als das Durchschnittsbier, aber für ein Festbier scheint es ja üblich, etwas mehr Stammwürze zu verwenden. Es wird nur zur Weihnachtszeit eingebraut. Leider, wie man sagen muss.

Riedenburger FestbierDas Festbier wird aus den klassischen Zutaten Wasser, Gerstenmalz, Hopfen und Hefe gebraut und ist, wie gewöhnlich für ein Bier aus dem Hause Riedenburger, Bio. Es ist naturtrüb, zeigt sich allerdings bis auf einige Schwebteilchen recht klar im Glas. Die braune Farbe und der malzig-süße Geruch deuten auf ein eher schweres, süßes Bier hin. Allerdings sind auch florale Hopfennoten erkennbar und auch etwas fruchtiges kommt durch, ich meine Banane gerochen zu haben.

Im Antrunk zeigt es sich wenig rezent, nur leicht sauer und mit wenig Kohlensäure. Allerdings ist der malzige Körper viel weniger süß als erwartet. Statt dessen sind im recht schmalen Körper Branntweinaromen erkennbar und auch leichte Nussnuancen schmecke ich. Im Abgang kommt eine leichte Bittere mit einem leckeren Hopfenarome, welches recht lang anhält. Der recht schmale Körper will nicht so recht zum malzigen Geruch passen, aber aus meiner Sicht tut dies dem Bier eher gut.

Zusammengefasst haben wir hier also ein wenig süßes Bier, das viele leckere Aromen, aber keine aromatischen Ausreißer enthält. Insgesamt sehr lecker und recht süffig. Man sollte also die raren Gelegenheiten, wenn das Bier verfügbar ist, nutzen und sich ein paar Flaschen auf Halde legen. Alt werden sie dort bestimmt nicht.

Adventskalender 24 – St. Peter’s Organic Ale

Entgegen der Reihenfolge habe ich heute zur Feier des Tages das Fläschelchen mit der Nummer 24 geöffnet. Ich hatte schon bemerkt, dass die Flasche nicht in den Standard-Kasten passt, und daher bin ich auch nicht sehr verwundert, dass es sich wieder um ein in Deutschland nicht sehr übliches Bier handelt. Denn heute steht das Organic Ale aus dem Osten Englands, genauer aus Bungay, Suffolk, aus dem Hause St. Peter’s vor mir. Auch dieses Cask Ale ist mit einem Bio-Label versehen. Und es handelt sich auch wieder um einen Preisträger, denn es hat im Jahre 2002 den ersten und 2006 dn zweiten Preis der Soil Association gewonnen.

St. Peter's Organic AleDie grüne, ovale Relief-Flasche ist eine Nachbildung einer historischen englischen Bierflasche aus 18. Jahrhundert. Sie ist mit einem sehr kleinen, aber schicken Frontetikett versehen. Dafür fällt das Rückenetikett umso größer aus. Es teilt dem Konsumenten mit, dass der Inhalt der Flasche 2,3 UK units enthält. Denn die Flasche fasst 0,5l und das Ale verfügt über 4,5 Volumenprozent Alkohol.

Im Glas zeigt sich das St. Peter’s Organic Ale als bernsteinfarbene Flüssigkeit mit wenig Kohlensäure. Der spärliche Schaum ist leicht getönt, vergeht allerdings sehr schnell. Auch im Geruch ist das Ale eher zurückhaltend. Man kann Malz, Karamell und florale Hopfenaromen erkennen. Die Farbe und der Karamellgeruch deuten auf stärker gemalzte Gerste hin.

Beim ersten Schluck dann wird man erst einmal überrascht. Das Ale hat im Antrunk etwas Säure, die feine, flüssige Textur zieht den Fokus allerdings sehr schnell auf den Körper, der mit einem heftigen Raucharoma einen extremen Eindruck hinterlässt. Erst nach einigen Schlucken hat man sich daran gewöhnt und man kann sich auch auf die anderen Aromen konzentrieren. So ist der Körper durchaus auch etwas bitter und man kann die leichte Süße des Malzes erkennen. Allerdings ist das Raucharoma so überlagernd, dass die anderen Aromen nur schwer auszumachen sind. Ausgewogen ist anders. Auch im Nachgang bleibt das Raucharoma lange erhalten und wird nur zögerlich von der Bitternis des Hopfen abgelöst. Durchaus lecker, da der Körper eher süß daherkommt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man dieses Ale auf jeden Fall probieren sollte. Allerdings ist es mit seinem starken und unausgewogenen Geschmack kein Bier, welches man den ganzen Abend trinken möchte. Zugute halten muss man ihm allerdings, dass man sich etwas an das Raucharome gewöhnt und es nach und nach in den Hintergrund tritt, sodass das Bier gegen Ende der Flasche durchaus süffig wird.

Adventskalender 14 – Neumarkter Lammsbräu Dinkel

Nach einem kurzen Ausflug auf die Insel sind wie zurück in heimischen Gefilden. Und zwar wieder im bayrischen Neumarkt, wo das Neumarkter Lammsbräu Dinkel gebraut wird. Dinkel ist ja ein enger Verwandter des Weizen, und da das Bier obergärig gebraut wurde, erwarte ich auch so etwas wie ein Weizenbier. Der Dinkel stammt, wie alle von der Brauerei verwendeten Zutaten, aus biologischen Anbau und wird in der eigenen Mälzerei veredelt. Dieser breite Zugriff auf den Brauprozess lässt mich auf ein ausgewogenes und leckeres Bier hoffen. Dies unterstreicht auch das Design der Flasche. Das Etikett ist mit warmen Farben erstellt, strahlt also Wärme aus aber gleichzeitig auch eine gewisse Seriosität. Die Flasche, eine grüne 0,33l Gourmet, tut ihr übriges zum Erscheinungsbild.

Neumarkter Lammsbräu DinkelUmgehend nach dem Öffnen der Flasche rieche ich Bananenaroma. Ich habe dann erst mal nachgeschaut, ob es sich um ein Mischgetränk handelt. Ist es aber nicht. Im Glas sieht das Neumarkter Lammsbräu Dinkel sehr weizentypisch aus. Naturtrüb, strohgelb und mit weißem, sehr feinem Schaum, der leider schnell wieder vergeht. Aber der Duft von Bananen bleibt.

Im Antrunk ist es recht frisch und ein wenig sauer. Dieser Eindruck macht aber schnell Platz für den Geschmack von Banane. Aber auch dieser Eindruck bleibt nicht lange bestehen, nach wenigen Sekunden kommt das Dinkelaroma in zur Geltung und man hat den Geschmack eines sehr weichen Weizens. Erst sehr spät im Nachgang kann man dann eine gewisse Bitternis erkennen, die sich aber dezent im Hintergrund hält. Weizenaroma zusammen mit dem Hefegeschmack bleiben auch hier der dominante Part.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Neumarkter Lammsbräu Dinkel mit 5,2% vol. Alkohol aus 12,5% Stammwürze ein leckeres Weizen ist, welches mit seinem leichten Bananenaroma zu überzeugen weiß. Es ist zwar genauso vollwertig wie jedes andere Weizen, hat aber einen feineren Geschmack und ist nicht ganz so auf die Fresse wie manch anderes Hefeweißbier. Gegenüber einem Weizen mit Bananensaft hat es den entscheidenden Vorteil, dass es nicht so mächtig und süß ist. Dazu passt auch die relativ niedrige Trinktemperatur von 7-10°C, was einer möglichen Schwere, zu der ein Hefeweizen ja irgendwie immer tendiert, vorbeugt.

Adventskalender 13 – Skinner’s Heligan Honey

Eine besondere Überraschung erwartete mich heute im Adventskalender. Das erste Bier aus dem Ausland, und auch das erste Bier, was sich nicht an deutsche Traditionen hält. Ich freue mich, das Heligan Honey der Skinner’s Fine Cornish Ales Brauerei aus der Stadt Truro in Cornwall probieren zu dürfen. Freunde haben es kürzlich von einer Reise mitgebracht und eine Flasche hat ihren Weg in meinen Adventskalender gefunden. Das Heligan Honey ist ein Real Ale oder auch Cask Ale, also ein Bier, welches möglichst ursprünglich ist. Keine Filterung, keine Pasteurisierung, Reifung im Fass oder der Flasche und gezapft ohne CO$latex _{2}$ waren die Bedingungen der Campaign for Real Ale (CAMRA). Und ein solches steht nun vor mir.

Skinner's Heligan Honey BottleDas Heligan Honey, seines Zeichens SIBA Champion National Specialty Ale Winner, hat 4% vol. Alkohol, kommt in der 0,5l Flasche also auf 2 UK units. Die Flasche ist beklebt mit einem Comic-ähnlichen Etikett, welches viele kleine Details beinhaltet. Vierbeinige Bienen mit zwei Armen, Schnurrbart und rauchender Pfeife zum Beispiel. Sehr lustige Aufmachung. Auf jeden Fall ein Blickfänger und sehr sehenswert.

Skinners Heligan Honey
Im Glas zeigt sich das Heligan Honey klar und bernsteinfarben, vereinzelt sich Schwebteilchen zu erkennen. Es bildet einen feinen, bräunlichen Schaum aus, der allerdings schnell in sich zusammen fällt. Die letzten Reste halten sich dagegen sehr lange. Passend zum Anspruch als Real Ale ist nur sehr wenig Kohlensäure im Bier.

Im Geruch ist es sehr vielfältig. Man riecht den Honig, aber auch der Hopfen ist erkennbar. Außerdem mischen sich leichte Fruchtaromen mit blumigen Noten unter. Der Antrunk ist prickeln, nur wenig sauer, aber trotzdem recht rezent. Der Körper ist im ersten Moment enttäuschend schmal und unerwarteter Weise nicht süß. Allerdings stellt sich nach wenigen Augenblicken auch eine gewisse Erleichterung ein, dass man kein Met mit Hopfen im Glas hat. Stattdessen beginnt der schmale Körper mit seinen dezenten floralen und stärkeren Kräuteraromen sowie der leichten Bitterkeit zu begeistern. Diese leichten bitteren Hopfennoten ziehen sich dann bis in den Nachgang, dort dann auch gepaart mit einer leichten Süße. Und nach einiger Zeit kommt dann auch der Honig etwas durch. Dessen Aroma ist wie Waldhonig, der ja auch schon mal bittere Aromen enthalten kann. Sehr lecker.

Trotz des Honigs im Bier ist das Heligan Honey ein süffiges und nicht zu süßes Gebräu. Auch kommt der Hopfen noch gut zur Geltung. Die eingesetzten Weizen- und Gerstenmalze tragen ihren Teil zum stimmigen Gesamtbild bei. Mein erstes Bier aus fernen Landen und das erste, welches sich nicht nur auf die klassischen Zutaten verlässt, weiß zu begeistern.

Adventskalender 12 – Glossner Bräu Neumarkter Hopfengarten-Pils

Ich bin etwas irritiert über das heutige Bier. Vor mir steht eine Flasche von Glossner Bräu, einer Marke der Brauerei Franz Xaver Glossner aus Neumarkt in der Oberpfalz. Der Name des Biers lautet laut Etikett Neumarkter Hopfengarten-Pils. Das irritierende ist nun, dass ich dieses Bier auf der Homepage der Brauerei nicht finden kann. Dort gibt es dagegen ein Hopfengarten Edel-Pils von Glossner. Und auf den einschlägigen Seiten im Internet findet man ebenfalls ein Glossner Hopfengarten Edel-Pils sowie ein Glossner Bio Hopfengarten Edel-Pils. Aber kein Glossner Bräu Neumarkter Hopfengaten-Pils. Etwas mysteriös. Würde die Flasche nicht vor mir stehen…

Glossner Bräu Neumarkter Hopfengarten-PilsAber nun zum Bier. Gebraut aus Gerstenmalz und Hopfen bringt es 4,8% vol Alkohol auf die Waage. Pils-typisch ist es goldgelb und klar im Glas. Es bildet einen mittelgroben Schaum aus, der allerdings sehr schnell verschwindet. Und Kohlensäure wurde nur sehr sparsam eingesetzt. Primär riecht es hopfig. Sekundär zeigt es eher fruchtige Noten, ich meine hauptsächlich Apfel erkennen zu können, lässt aber auch ein paar malzige Aromen los. Allein durch den Malz hebt es sich schon von den gängigen Industriepilsen ab, da diese nicht so aromatisch sind.

Geschmacklich erwartet mich keine Überraschung. Alles, was die Nase schon erkannt hat, findet sich auch auf der Zunge wieder. Im Antrunk ist es etwas säuerlich, kommt daher rezent daher. Der Körper ist etwas breiter also man es von einem Standard-Pils kennt, ist mit seiner malzigen Note in Relation zum Rest des Bieres allerdings etwas zu dominant. Im Abgang wird es dann sehr leicht bitter, die Süße des Malzes bleibt aber erhalten. Relativ schnell sind diese Geschmäcker auch schon wieder verflogen.

Alles in allem ist es ein recht süffiges Bier, was allerdings durch die Süße etwas eingeschränkt wird. Wer es eher süß statt bitter mag, wird hier ein gutes Pils abseits des Mainstream finden. Und Bio ist es auch noch.

Adventskalender 11 – Gaffel Kölsch

Mit großer Freude habe ich die heutige Flasche ausgepackt, denn es ist wieder ein Kölsch. Alle guten Dinge sind drei, sagt man ja. Daher bin ich gespannt, wie sich das Gaffel in der 0,5l Longneck-Flasche bei der Verköstigung schlägt. Auch heute will ich wieder versuchen, möglichst vorurteilsfrei an die Sache heranzugehen. Und von außen sieht es ja schon mal ansprechend aus. Das blaue Etikett mit dem goldenen Rand und dem kleinen Wappen strahlt auf elegante Weise so etwas wie Seriosität aus. Mal sehen, ob es auch in der Flasche seriös zugeht.

Gaffel KölschIm Glas zeigt sich das Gaffel Kölsch ganz wie man es von einem Kölsch erwartet. Es ist glasklar und goldgelb. Auch wurde nicht sehr viel Kohlensäure verwendet. Die Schaumkrone ist schön fein und hat einen leichten Gelbstich. Auch wieder Kölsch-typisch ist die Schaumkrone, eh man sich versieht, schon wieder verschwunden. Auch der Geruch besteht nur aus Hopfenaroma. Sonst ist nichts feststellbar. Hier beschleicht mich wieder das Gefühl, dass es auch nur ein Kölsch unter vielen ist.

Allerdings muss ich dem Gaffel zugestehen, dass es geschmacklich fast nicht als Kölsch zu erkennen ist. Gut, es ist ein Industriebier (Jahresabsatz ca. 450.000 Hektoliter), und der leicht blumige Hopfenkörper findet sich so auch eher beim Kölsch. Der saure, aber trotz der wenigen Kohlensäure recht frische Antrunk und der lange, hopfenbittere Abgang erinnern allerdings schon fast an ein Pils. Damit will ich dem Gaffel nicht zu nahe treten. Aber das, was ich hier im Glas habe, gefällt mir durchaus gut. So ist im Körper neben dem Hopfen auch eine leichte Süße erkennbar. Zusammen mit sehr dezente Honignoten hat dieses in der Textur leicht ölige Gebräu durchaus Geschmack.

Interessanter Weise wird Gaffel Kölsch für die Flaschenabfüllung gar nicht in der Privatbrauerei Gaffel Becker & Co in Köln gebraut, sondern in der Bolten-Brauerei in Korschenbroich und der Brauerei Königshof in Krefeld (ehemals Rhenania). Beide stellen kein eigenes Kölsch her. Ich weiß nicht, wie es gelingen soll, in einer fremden Brauerei das eigene Bier zu brauen, noch dazu in zwei verschiedenen, aber vielleicht ist das einer der Gründe, warum da Gaffel aus meiner Flasche so gar nicht nach Kölsch schmecken will. Wenn ich das nächste Mal in Köln bin, sollte ich das richtige Gaffel Kölsch vom Fass wohl mal probieren. Eventuell schmeckt es ja ganz anders?

Adventskalender 10 – Grevensteiner

Ein ganz junges Bier erwartete mich heute im Adventskalender. Das Grevensteiner der Veltins Brauerei wird erst seit Dezember 2013 verkauft. Allerdings soll es auf einem hauseigenen Rezept beruhen, welches zuletzt 1926 in Grevenstein gebraut wurde. Veltins hat sich dann aber entschieden, mit dem sehr weichen Brauwasser lieber das beliebtere Pils zu brauen. Angesichts der Größe der Brauerei war dies sicher keine Fehlentscheidung, auch wenn dabei ein handwerkliches Bier auf der Strecke geblieben ist. Diese handwerkliche Braukunst will Veltins nun aber wiederbeleben. Denn es gibt immer mehr Liebhaber abseits des Massenmarkts, und der Pilskonsum ist auch seit Jahren rückläufig. Die Brauereien müssen daher neue Wege gehen. Ob man allerdings von einer Brauerei dieser Größe ein handwerkliches Bier erwarten kann, wage ich zu bezweifeln. Dafür müsste man wohl auch erst einmal definieren, was man unter handwerklicher Braukunst versteht. Aber das Thema hebe ich mich für ein anderes Mal auf.

GrevensteinerHeute geht es also um das Grevensteiner, ein Landbier mit 5,2 % vol. Alkohol, Wasser, Gerstenmalz, Hopfen und Hefe stehen gut gemischt in einem 0,5l Steinie vor mir. Im Glas zeigt sich dann eine bernsteinfarbenes, naturtrübes Bier mit recht viel Kohlensäure. Die schöne, feine, leicht ockerfarbene Krone sieht sehr gut aus, hält allerdings nur wenige Minuten.

Das Bier verbreitet einen fruchtigen Geruch, beim direkten Riechen zeigen sich diese Aromen allerdings nicht. Hier erkennt man eher eine malzige Note. Auch etwas Hopfen ist erkennbar. Nur ganz schwach lässt sich auch ein saures Fruchtaroma ausmachen. Geschmacklich sammelt das Bier im Antrunk sofort einige Pluspunkte. Es ist frisch, nicht zu sauer und prickelnd. Der Körper lässt jedoch zu wünschen übrig. Er ist eher flach, keine herausragenden Aromen, nur leicht malzig, aber von Frucht keine Spur. Er erinnert mich ein wenig an Nadelwald, harzige Bäume, dunklen Waldhonig. Aber für diese Assoziation habe ich mehrere Anläufe gebraucht. Prominent ist das Aroma also ganz und gar nicht. Auch im Abgang bleibt es dezent. Es wird leicht bitter, leider auch hier ohne weitere Aromen.

Zusammenfassend lässt sich das Grevensteiner als süffiges Sommerbier beschreiben. Es ist sehr rezent und wenig katerverdächtig. Ob man mit diesem Bier den Markt der Leute abdecken kann, die gerne mal ein “anderes” Bier trinken, wage ich zu bezweifeln. Dazu ist es einfach zu unspektakulär. Aber trotzdem lecker.

Adventskalender 9 – Reissdorf Kölsch

Im neunten Türchen das zweite Kölsch, dieses Mal von Reissdorf. In der 0,5l Langhalsflasche steht es mit seinen 4,8% Alkohol vor mir. Schickes Etikett, sieht seriös aus, erweckt aber auch den Eindruck, dass das Bier schon eine gewisse Historie hat.
Nun stellt sich mit aber die Frage, ob es tatsächlich so viele Kölsch-Sorten gibt, oder ob die Verteilung einfach nicht repräsentativ ist? Zwei Kölsch in neun Tagen? Jedoch in Anbetracht der Anzahl der Bio-Biere, die ich bereits probiert habe, scheint eher die Auswahl nicht repräsentativ zu sein. Also los, ran an die Flasche. Und das am Besten ohne Vorurteile.

Reissdorf KölschIm Glas erwartet mich eine glasklare, goldgelbe Flüssigkeit. Dank der Kohlensäure sprudelt es munter vor sich hin, daran wurde also nicht gespart. Und auch die Krone sieht gut aus. Mittelgrob und auch nach wenigen Minuten noch nicht vollständig verschwunden. Bis hierher schon mal nicht schlecht. Aber bis hierher könnte es auch jedes Kölsch oder Pils sein.

Der Geruch hält dann die erste Überraschung bereit. Kölsch ist oftmals ja nur bitteres Wasser, aber das Reissdorf hält neben dem Geruch nach Hopfen auch noch eine leichte Malznote parat. Das finde ich sehr ungewöhnlich, denn es erweckt den Eindruck, als könnte das Kölsch tatsächlich einen aromatischen Körper haben.

Leider wird diese Hoffnung geschmacklich nicht bestätigt. Im Antrunk ist es recht sauer, aber schon hier verdirbt eine bittere Note die auch durch die Kohlensäure erzeugte Frische. Mit gemischten Gefühlen konzentriere ich mich daher nun auf den Körper. Dieser ist weiterhin bitter, aber hat tatsächlich eine leicht malzige, blumige Note. Die muss man aber leider wieder durch konzentriertes Schmecken extrahieren. Beim “einfachen Trinken” merkt man vom Körper fast nichts. Da geht der Antrunk fast direkt in den kurzen, herben Abgang über. Aromen muss man also auch hier wieder suchen. Mich beschleicht der Eindruck, das Kölsch nicht meine Lieblingsart ist.

Suchen muss man allerdings auch Informationen über das Bier. Auf der Homepage der Brauerei findet sich lediglich eine Aufstellung, in welchen Gefäßen das Bier zu erhalten ist. Das war es dann aber auch schon. Zum Glück hilft hier Wikipedia weiter. Neben der Angabe der Stammwürze, nämlich 11,8%, sind hier noch weitere, interessante Dinge über die Brauerei zusammengetragen. Ein Blick lohnt sich sicherlich. Und so ist wenigstens die Geschichte der Brauerei eine nette Entdeckung im Bieradventskalender.