Adventskalender 22 – Anchor IPA

Nach etwas längerer Pause habe ich heute eine der letzten Flaschen des nunmehr letztjährigen Adventskalenders geöffnet. Und es erwartete mich eine schöne Überraschung. Denn das heute Bier ist kein geringeres als das Anchor IPA der Anchor Brewing Company aus San Francisco. In dieser Brauerei wurde 1965 der Grundstein der Craftbeer-Bewegung gelegt. Aus finanziellen Grünen sollte die 1860 von deutschen Einwanderern gegründete Brauerei geschlossen werden. Einer ihrer Fans, dem gut situierten Anwaltssohn Frederick Louis Maytag III., konnte sich mit dem drohenden Ende seines heiß geliebten Anchor Steam Beers nicht anfreunden und erwarb kurzerhand 51% der Brauerei. Nun ist zwar das IPA erstaunlicher Weise erst seit 2014 im Sortiment (manchmal bekommt man ja den Eindruck, dass die Craftbeer-Szene nur IPA trinkt), nichtsdestotrotz profitiert das Bier natürlich durch seinen Namen. Hier muss man daher besonders aufpassen, nicht über das Ziel hinauszuschießen.

Anchor IPADie Flasche ist ein Zwischending zwischen der bauchigen Euro- und der schlanken Longneck-Flasche und fasst 335ml. Auf dem Kronkorken ist dankenswerter Weise der Hinweis angebracht, dass man doch einen Öffner verwenden soll. Die Amerikaner scheinen da wohl recht unkreativ zu sein, obwohl es dort ja mannigfaltige Möglichkeiten gibt. Die Gestaltung des Etiketts erinnert mich mit dem handgemalten Elefanten etwas an Doldensud. Warum allerdings der Anker, das Markenzeichen der Brauerei, auf eine Decke gestickt ist, die dem Elefanten über den Rücken gelegt wurde, ist mir nicht ganz klar. Aber glücklicherweise muss ein Bier hauptsächlich in der Flasche schlüssig sein. Dafür kann man die interessante Geschichte, warum der Elefant auf der Flasche ist, auf der Webseite des Bieres nachlesen.

Mit 6,5% Alkohol ist das Bier im Rahmen des Üblichen. Es ist recht dunkel, bernsteinfarben, fast braun, aber klar, wird von massivem Schaum gekrönt und sprudelt ordentlich. Es riecht fruchtig, nach den üblichen Zitrusaromen, aber auch grüne Früchte und eine leichte Bittere sind erkennbar.

Im Antrunk ist es zwar eher rezent, aber nur auf Grund einer guten Portion Säure. Die Verperlung hält sich doch sehr im Hintergrund, was allerdings angesichts der Schaumkrone auch nicht ganz verwunderlich ist. Der Körper beginnt schon bitter, hat auch die üblichen Fruchtaromen, vor allem von grünen Äpfeln. Auch meine ich eine ganz leichte Alkohol- sowie Karamellnote auszumachen. Die Fruchtaromen tragen schön über in den langen, bitteren, trockenen Abgang, der wahrscheinlich sehr durch das Dryhopping mit 5 verschiedenen Hopfensorten profitiert. Aber auch diese Komposition ist sehr gelungen.

Zusammenfassung: Das Anchor IPA aus dem Westen der USA ist ein sehr leckeres IPA, das man unbedingt mal probieren sollte. Die Bittere kann schon einiges, ist aber noch so dosiert, dass auch Liebhaber andere Bierstile mal kosten können. Die Komposition ist gelungen. Keine hervorstechenden Aromen, dafür aber ein balancierter Körper und ein sehr gut komponierter Abgang. Einzig die etwas flaue Karbonisierung gefällt mir nicht so. Das könnte man aber auch durch vorsichtigeres Eingießen korrigieren.

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