Adventskalender 1 – Camba Bavaria German IPA

Wie schnell die Zeit doch vergeht! Es ist schon wieder Adventszeit. Und netterweise ist auch schon wieder Zeit für einen neuen Bieradventskalender. Aus Gründen mit Lücken. Aber dazu später mehr. Mit dem Adventskalender feiert auch dieses Blog seinen ersten Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch für das nächste Jahr. Es wird, auch aus Gründen, wahrscheinlich etwas ruhiger werden, aber das konnte man ja auch schon in der letzten Zeit beobachten.

Wie dem auch sei, ich werde versuchen, den Adventskalender termingerecht zu leeren, fürchte aber, dass das nicht immer passen wird. Man stellt sich das Schreiben eines Blogbeitrags über ein Bier anfänglich recht leicht vor, allerdings steckt doch mehr dahinter, als es den Anschein hat. Daher bin ich immer wieder begeistert von der Kontinuität, die manche Kollegen an den Tag legen. Als Extrembeispiel sei hier nur Bier des Tages erwähnt, wo Norbert jeden Tag ein fränkisches Bier vorstellt. Jeden Tag. Seit über 1800 Tagen. Wahnsinn! Zum einen, weil es in Franken so viele verschiedene Biere gibt, aber auch, weil man diese verschiedenen Biere nicht nur jeden Tag trinken und beschreiben, sondern auch finden muss. Und zu allem Überfluss schreibt Norbert auch oft etwas über die Geschichte des Bieres oder der Brauerei. Dieses Wissen fällt einem ja auch nicht vor die Füße.

Aber es gibt auch andere, die sehr aktiv sind, wenn es um das Teilen von Erfahrungen geht. Ich denke dabei vor allem an usoX und Hopfen-Craft. Aber Inhalt dieses Beitrags soll kein Name Dropping von Bierblogs werden. Die erste Flasche aus dem Adventskalender ist eigentlich der Hauptdarsteller. Also Vorhang auf.

Auf: Camba Bavaria German IPA.Camba Bavaria German IPA
Kostüm: 0,3l Longneck-Flasche mit grün gehaltenen Etiketten. Darauf ein schwarz-grün-weißes Negativ eines Menschen, erinnert ein wenig an Blair Witch Project. Das Bier selbst ist bernsteinfarben, sprudelig, mit viel feinem, leicht getönten Schaum. Es riecht intensiv hopfig mit dem Aroma von Mandarinen.
Der Geschmack trifft leider nicht die Erscheinung. Der Antrunk fällt wenig rezent aus. Zwar ist das Bier etwas sauer, durch die ölige Textur stellt sich aber der Eindruck ein, das Bier habe keine Kohlensäure und sei eher süß. Der Körper bleibt dann stiltypisch schmal mit leichter Kräuternote, um dann ich einem bitteren Abgang zu enden. Leider kommen hier eher kräuterige Aromen um Vorschein. Die auf dem Flaschenhals versprochenen Aromen von Mandarinen, Ananas und Marillen finde ich nicht. Dafür aber eine recht präsente Alkoholnote. Bei 6,5% Alkohol aus 15,5% Stammwürze aber auch irgendwie nicht verwunderlich.

Ich mag es ja gern bitter, aber dieses Bier ist mir ein wenig zu sehr “in your face”.

Ab: Camba Bavaria German IPA

Was schreiben die Anderen:

Wikipedia und so

Wikipedia ist ja ein tolles Ding. Ein kostenloses Nachschlagewerk, welches das Wissen der Welt sammeln möchte. Sollte man meinen. Mir passiert es immer wieder, dass ich Menschen begegne, die Wikipedia wie selbstverständlich nutzen. Wenn sie dann aber mal etwas finden, was ihrer Meinung nach nicht richtig ist, führen sie sich auf, als wäre Wikipedia der reinste Humbug.

Vielleicht nicht ganz so extrem, aber zumindest in diese Richtung ging ein spitzer Kommentar in einem Blogpost über die wahre Herkunft des IPA. Dort schreibt Martin Voigt:

Der Begriff IPA ist übrigens ein gutes Beispiel, wie auch Wikipedia noch solchen „Legenden“ aufsitzt.

Ich möchte Martin erwidern, dass nicht die Wikipedia solchen Legenden aufsitzt. Schließlich ist Wikipedia erst mal kein selbstständiges Ding. Wenn überhaupt, dann ist einer der Autoren einer Legende aufgesessen. Und selbst das geht mir schon zu weit. Denn der Autor wird nicht wissentlich Unwahrheiten in der Wikipedia verbreiten.

Im konkreten Fall ist es nun mal so, dass die angeblich falsche Geschichte des IPA nicht nur bei einem ebensolchen von Mund zu Mund weitergetragen wird, sondern auch auf Webseiten von Brauereien und sogar auf Rückenetiketten von IPA-Flaschen erzählt wird. Daher ist es für den unbedarften Bierliebhaber natürlich sehr schwierig zu erkennen, dass diese Geschichte falsch sei.

Wenn nun jemand eine solche Geschichte in Wikipedia beiträgt, so hat er im ersten Moment das Wissen der Welt gemehrt. Wenn nun irgendwann jemand anderes einen Menschen trifft, der behauptet, die Geschichte sei falsch, und sie etwas anders erzählt, sollte man davon ausgehen, dass dieser zweite jemand, der sich ja sogar die Mühe macht, diese Geschichte aus dem fernen England bis nach Österreich zu tragen, sie aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und dann in einem Blogbeitrag niederschreibt, auch die Wikipedia korrigiert. Denn das Wissen der Menschheit mehr man nur, wenn man die angeblich falschen Sachverhalte in der Wikipedia belegt korrigiert.

Leider ist das unterblieben. Stattdessen wird kolportiert, dass die Wikipedia falsch sei. Ja. Ist sie dann wohl. Wenn man es besser weiß und es nicht korrigiert, dann ist es wohl falsch.

Liebe Leute, Wikipedia lebt vom mitmachen. Nicht nur vom Mitmachen von Wikipedia-Admins mit seltsamen Ansichten und manchmal zweifelhafter Sozialkompetenz. Sondern auch von Leuten, die sich mit einem Thema tiefergehend auseinandersetzen, als nur den Wikipedia-Eintrag zu lesen. Wenn ihr also zu der Gruppe gehört, die sich tiefergehend mit etwas beschäftigt hat, macht euch bitte nicht lustig darüber, dass die Wikipedia falsch ist. Sondern korrigiert sie!

Da ich mich mit dem Thema nicht eben nicht tiefergehend auseinandergesetzt habe, aber nun Zweifel an der Geschichte habe, werde ich in der Wikipedia zumindest mal den Hinweis anbringen, dass sie falsch sein könnte und zumindest nicht belegt ist. Denn nur so kann man Menschen davor schützen, Legenden aufzusitzen.

Propeller Aufwind

Lokale Biere wollte ich vorstellen, bin aber kürzlich etwas abgeschweift. Das lag unter anderem daran, dass ich mit einem besonderen lokalen Bier weitermachen wollte, die Beschaffung allerdings komplizierter war als gedacht. Doch nun bin ich fündig geworden, wenn auch mehr durch Zufall, und habe (neben weiteren) eine Flasche des Propeller Aufwinds erstanden.

Propeller ist eine Marke, die in der Bosch Brauerei im benachbarten Bad Laasphe gebraut wird, und Aufwind ist das erste IPA aus diesem Hause. Propeller nennt es ein Double IPA, allerdings liegt es mit einem Alkoholgehalt von 6,5% mindestens einen Prozentpunkt unter der Untergrenze für DIPAs. Allein die Umdrehungen machen aber auch noch kein Double IPA, sondern auch die Süße spielt eine Rolle, den DIPAs sind durch den höheren Anteil Stammwürze auch meistens malziger als die “einfachen” Geschwister. Ob der Aufwind nun ein DIPA oder nur ein gewöhnliches IPA ist, wird sich also zeigen.

Propeller AufwindDer Aufwind ist in einer 0,33l Longneck-Flasche eingesperrt. Lässt man ihn in ein Glas wehen, thront viel leicht getönter, teilweise mittelgrober, Schaum auf dem klaren, bernsteinfarbenen, leicht sprudeligen Gebräu. Der Schaum hält nur kurz. Der Aufwind riecht kräftig nach Hopfen mit den für ein IPA gewöhnlichen Fruchtnoten. Hier sticht die Citrusnote klar hervor. Unterschwellig ist auch eine würzige Komponente erkennbar.

Entgegen der durch die Kohlensäure geweckte Erwartung ist es nicht sehr rezent, da es tatsächlich weniger Kohlensäure enthält, als es den Anschein machte, und sauer ist es auch nicht so richtig. Daher fällt im Antrunk schon der leicht würzige Körper auf, der trotz des nur unterschwelligen Fruchtaromas doch recht bitter ist. Diese Bittere legt sich dann auch auf die Zunge, bleibt dort allerdings ohne weitere Aromen liegen. Geschmacklich ist der Aufwind daher kein aufdringliches IPA, weiß mit seinen eher zurückhaltenden Aromen trotzdem zu überzeugen.

Was sagen die Anderen: