Die Sommerpause ist vorbei!

So oder ähnlich könnte man den ersten Beitrag nach langer Zeit überschreiben. Denn es ist schon einige Tage her, dass ich die Zeit gefunden habe, hier etwas über Bier zu schreiben. Aber es gibt gerade so viele Dinge, die meine beziehungsweise unsere Aufmerksamkeit erfordern, dass ich einfach nicht die Muße hatte, dem Blog und auch dem Bier die Aufmerksamkeit zu schenken, die es verdient.

Das soll sich aber nun wieder etwas ändern. Ich hoffe, dass ich zumindest jede Woche ein neues Bier vorstellen kann. Damit das funktioniert, wird sich wahrscheinlich ein bisschen was an der Art der Artikel ändern. So werden die Bilder wahrscheinlich etwas weniger “professionell”, sofern man davon überhaupt sprechen kann. Aber die Bearbeitung der Bilder hat doch einiges an Zeit verschlungen. Auch denke ich darüber nach, nicht jedes Bier einzeln in einem Beitrag vorzustellen, sondern vielleicht zwei oder drei ähnliche Biere zu vergleichen. Ich bin mir nicht sicher, was praktikabel ist, und werde daher in der nächsten Zeit ein wenig mit der Art und dem Inhalt der Artikel herumprobieren. Falls jemand eine Meinung dazu haben sollte, wie die Artikel aussehen (sollen), immer her damit. Ich freue mich immer über Feedback.

In der längeren Pause sind leider einige Biere liegen geblieben. Diese möchte ich euch aber nicht vorenthalten und werde sie daher in einem Kurzportrait vorstellen.

Houblon Chouffe

Das Houblon Chouffe ist tatsächlich noch ein Überbleibsel aus dem letztjährigen Adventskalender. Dabei handelt es sich um ein belgisches Triple, das im Steinie mit einem verspielten Zwergendesign ausgeliefert wird. Das Bier selbst ist golden und klar. Die viele Kohlensäure sprudelt fröhlich im Glas unter einer immensen, weißen, feinen Schaumkrone. Geschmacklich ist es angenehm rezent, allerdings schlägt der Alkohol sofort ins Kontor, was bei 9% auch nicht verwunderlich ist. Es hat einen schmalen Körper, wenige, leicht fruchtige Aromen und eine ölige Textur.

Riedenburger Dolden Dark

Im zweiten Kurzportrait geht es um das Riedenburger Dolden Dark. Dieses Porter ist, wenig verblüffend, von tiefschwarzer Farbe mit leichter Trübung, getoppt von braunem, mittelgroben Schaum. Es riecht nach Schokolade und Banane, brotigen Röstaromen und hat eine feine Hopfennote. Am Gaumen zeigt es keine Rezenz, sprudelt fast gar nicht und hat eine cremige Textur. Es ist allerdings leicht sauer. Ich schmecke Karamell und eine leichte Alkoholnote. Der Körper bleibt auch eher schmal, im Abgang ist es leicht bitter. Die Brotaromen halten etwas nach, ganz hinten wird es noch mal nussig.

Tyskie Gronie

Drittes liegengebliebenes Bier ist das Gronie von Tyskie, einer polnischen Brauerei, die ihrerseits u SAB Miller gehört. Man könnte es also fast Fernsehbier nennen. Es ist lagertypisch goldgelb, ist sehr prudelig und bildet feinen, weißen Schaum, der schnell verfällt. Es riecht hopfig und würzig. Der Antrunk ist sauer und wenig sprudelig und unerwartet wenig rezent. Die Textur ist wässrig. Der schmale Körper mit ganz leicht würziger Note wird von einer kurzen, knappen Bittere im Abgang gefolgt. Alles in allem ein nicht so leckeres Allerweltspils.

Bosch Porter

Die Brauerei Bosch ist eine kleine Brauerei einige Kilometer von meinem Wohnort aus der an der Grenze zu Hessen gelegenen Stadt Bad Laasphe. Sie blickt auf eine mehrere Jahrhunderte währende Historie zurück, ist also einer der eher seltenen Familienbetriebe, der die dritte Generation überlebt hat. Bosch hat dies, und das aus meiner Sicht auch noch sehr gut. Auch wenn die Brauerei mit einem jährlichen Ausstoß von 40.000 hl nicht zu den Großen der Branche gehört, so weiß sie doch durch Qualität zu überzeugen. Dazu passt auch die Mitgliedschaft im Brauereienverbund SlowBrewing.

Bosch PorterAber zur Sache. Ich habe mich heute für das Bosch Porter entschieden. Denn der Zusatz Porter: Schwarze Magie hat mich neugierig gemacht. Das Porter kommt in der 0,33l Longneck-Flasche und ist laut Brauerei ein untergäriges, deutsches Schwarzbier. Aus 13,3% Stammwürze wurde 5,3% Alkohol gebraut.

Da das Bier 2007 den European Beer Star gewonnen und damit zum besten Schwarzbier Europas gekürt wurde, liegt die Erwartungslatte nun sehr hoch. Also ab in’s Glas damit.

Das Porter ist ein erwartungsgemäß dunkles, rotbraunes, fast schwarzes Bier. Es entwickelt recht viel mittelgroben Schaum, der sich auch ein paar Minuten hält. Dann gibt es den Weg frei für den Duft nach Hopfen und leichten Röstaromen. Allerdings beides eher dezent.

Wie der Geruch schon vermuten lässt, hält sich das Porter im Geschmack eher im Hintergrund. Im Antrunk ist es zwar eher frisch durch ein gutes Maß Säure, allerdings zieht sich dieser Eindruck durch die fehlende Kohlensäure nicht durch das ganze Bier. Im Körper ist es eher schmal, mit leichter Bittere und dezenten Röstaromen. Ich finde es ja nicht schlecht, wenn das Bier nicht so dick aufträgt. Und das tut das Porter nicht. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass Liebhaber der kräftigen Röstaromen hier nicht ganz auf ihre Kosten kommen. Im Nachgang bleibt dann ein leichter Eindruck vom Röstaroma. Die verwendeten Hopfensorten Hallertauer Perle und Hallertauer Tradition stechen auch nicht hervor, sind aber deutlich erkennbar und verleihen dem Porter eine gewisse Würze.

Ich finde das Porter ein leckeres Bier, das eher dezent daher kommt. Durch die Malzsüße ist es eher süffig, nach meinem Geschmack könnte es aber etwas mehr Kohlensäure vertragen.